Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- Juden und Armenier
- Date
- 1906-12-01
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
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— 181 — Kaufleute unter fremden Völkern demselben absprechenden Urteil unterliegen, das in Osteuropa oft über den jüdischen Kaufmann zu hören ist, „Ob man im Kaukasus mit Russen, Deutschen, Grusiniern oder sonst Jemand über die Armenier spricht — überall hört man sie als gewissenlose Betrüger schildern. Bekannt ist die Steigerung der Schlechtigkeit, die man im Orient häufig zu hören bekommt: 2 Juden geben einen Griechen, zwei Griechen einen Armenier, zwei Armenier einen Teufel — indes will ich nicht verschweigen, daß in dieser Reihe der Platz unmittelbar vor dem Teufel den Armeniern nicht einstimmig zugebilligt wird, öfters rangieren sie auch unter den Griechen und zwei Griechen geben direkt einen Teufel. Nicht minder als die verschiedenen Nationalitäten sind alle Stände in ihrem Urteil über das Volk einig. Als ich einem deutschen Prediger im Kaukasus gegenüber meinen Wunsch äußerte, die Armenier näher kennen zu lernen, bemitleidete er mich gewissermaßen wegen dieses traurigen und undenkbaren Vorhabens.---So ist das allgemeine Urteil. Trotzdem prosperiert wirtschaftlich im ganzen Kaukasus niemand so wie der Armenier". (Rohrbach S. 203)----„Dei armenische Händler, vom kleinen Hausierer bis zum Großkaufmann und Bankier, ist im Kaukasus mit Ausnahme der Gebiete, wto die Bevölkerung überwiegend tatarisch ist, so gut wie ohne Konkurrenz, weil er allen anderen Nationen an geschäftlicher Tüchtigkeit überlegen ist." (a. a. 0. S. 206)---„Daher muß Jedermann, mag er nun einen Sack Kohlen oder ein Haus kaufen oder verkaufen wollen, in 9 Fällen unter 10 mit einem Armenier in Verbindung treten, wobei er wahrscheinlich in allen 10 Fällen diesem gegenüber geschäftlich den Kürzeren ziehen wird. Da man also schwerlich im ganzen Kaukasus einen Menschen finden wird, der nicht mindestens einmal in seinem Leben von einem Armenier übervorteilt worden wäre — und wer leitete daraus wohl nicht das Recht ab, zeitlebens alle Armenier für grundschlechte Kerle zu halten! — so mußte es sonderbar zugehen, wenn man andere als ungünstige Urteile über die Armenier zu hören bekäme." (a. a. O. S. 207) Die Nutzanwendung dieser Ausführungen für die Urteile über die Juden in Osteuropa ergibt sich von selbst. Zum Schlüsse sei erwähnt, daß den Armeniern neben hoher Intelligenz allgemein Mäßigkeit, Nüchternheit, Fleiß und große Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit an äußere Verhältnisse, allerdings auch Eitelkeit und gegenseitige Eifersüchtelei nachgesagt wird (Encyclopedia Britanniea) und daß sie wie die Juden außerordentlich lernbegierig sind. Schulbildung, wie einfach sie auch sein möge, ist das Ideal der alten Bauern für ihre Söhne. Und zum Zwecke der Errichtung von Schulen werden sowohl von Privaten wie von den Dörfern und Städten die größten Opfer gebracht. Die jüdische Bevölkerung in Jaffa. Von W. Smelianski, Jaffa. Aus dem hebräischen Manuskript übersetzt von Curt fiammerstein, Berlin. (Schluß.) Für Jaffa kann man kaum auf irgend welche ökonomischen Vorzüge hinweisen, die es vor allen anderen Städten so auszeichnen, daß es denStrom der Einwanderer zu sich hinzieht. Die Gründe für das Wachstum der jüdischen Bevölkerung sind andere. Es ist bekannt, daß viele, die nach Palästina zosren, damit nicht eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse erstrebten; man kann vielmehr behaupten, daß der Hauptteil nur aus Liebe zum heiligen Lande dahin kam, und viele bei der Landung in Jaffa sich dort niederließen, sobald sie für ihre Niederlassung einigermaßen erträgliche Bedingungen fanden. Hier sehen wir deutlich, daß die Anziehungskraft Pa-