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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-10-01 · Heft 10 (Oktober 1906) · p. Seite 146

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 10 (Oktober 1906)
Article
Die Juden in Serbien
Date
1906-10-01
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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— 146 — Standes in der Rubrik der Konfession. Natür-! lieh werden auch in der serbischen Konfessionsj Statistik die Juden besonders ausgewiesen. Aber j außerdem enthält die serbische Statistik auch bei j der Gruppierung nach Muttersprache und nach j Nationalität eine eigene Spalte für die Juden, j im Gegensatz zu Österreich und anderen 1 Ländern, deren Statistik Deutsche, Idolen,; Tschechen, Rutlienen jüdischer Konfession auf- \ weist. Freilich muß gleich bemerkt werden, j daß willkürliche administrative Feststellung; hier vielfach stattfindet, was am besten bei! der Vergleichung der Zahlen zum Ausdruck kommt. Die Zahl der „Nationaljuden" l) deckt i sich vollkommen mit der Zahl derjenigen, als deren Muttersprache „Jüdisch" oder „Hebräi isehu angegeben wird.2) Im ersten ..Jahrbuch" ist eine Ausscheidung der Juden nach der \ Nationalität nicht durchgeführt, doch geht aus j den Zahlen ohne weiteres hervor, daß sie den; Landfremden (tuce narodnosti) zugezählt : werden. Im IL Jahrbuch (lS94//>) ist wieder- | um der Begriff der ..Muttersprache" (welch j vage Bezeichnung in gemischtsprachigen Län- I dem!) völlig fallen gelassen und nur noch die! Trennung nach Nationalitäten aufrecht er-; halten. Ja, die Juden sind — gleich den j Zigeunern — in besonderen TabelleTi einer [ speziellen Betrachtung unterworfen, während die viel zahlreicheren Rumänen — aus welchen; Gründen, entzieht sich meiner Beurteilung —; diesen Vorzug nicht genießen: vergleichen i wir aber die Zahl der „Nationaljuden" (und ■ der „Muttersprache" nach) mit der Zahl der . bei der Gliederimg nach Konfessionen ausgewiesenen, so fällt uns vor allem auf, daß; sich diese Zahlen nicht decken. 1890 über- : wiegen bedeutend die Konfessionsjuden, auch; 2) Man beachte, daß es sich hier um einen statistisch-; technischen und nicht etwa um einen politischen Begriff j handelt. I -) Der Jude heißt serbisch „Jevrejin", Hebräer, vgl. j dazu ital. ebreo. Mit der „hebräischen Sprache" (jevrejski j jezik) ist daher der Jargon gemeint (Spaniolisch und j Jiddisch). Auch eine rein nationalpolitische Konstruktion j ist nicht abzuweisen, cf. St. Kgr. Serb. Bd. XIII. p. j XCVI/Vlil. I 1895 ist dieselbe Erscheinung zu bemerken, doch ist der Unterschied nur mehr halb so groß, und 1900 gibt es ebensoviel ..Nationaljuden" wie Konfessionsjuden. Woher diese sonderbare Erscheinung? Man wäre geneigt liier an Assimilation oder an politische Momente zu denken. Doch ist des Rätsels Lösung viel einfacher. Jovanovic, der Direktor des statistischen Amtes in Belgrad, erklärt diesen Mangel an Übereinstimmung dadurch, daß in den Zähllisten die Feststellung der Muttersprache (bei den Juden also auch der Nationalität) durch die Zähler erfolgte.1; Kein Wunder, wenn bei der Unklarheit der Begriffe hierbei ein einheitliches Resultat nicht zu erzielen ist. Als charakteristisches Merkmal bleibt für die Scheidung der Juden von den übrigen Bevülkerungsgmppen auch hier nur die Konfession. Wo von den Juden im allgemeinen gehandelt wird, bezieht sich auch die serbische Statistik in ihren Zahlendaten einzig und allein, auf die Konfessionsjuden. Wer jedoch das Judentum als Volkstum behandeln will, der wird nicht umhin können, diese Zahlen mit der Anzahl der jährlichen Taufen zu kombinieren, um zu einem richtigen Resultat zu gelangen. -) Bemerkt sei übrigens, daß bei der letzten Volkszählung vom 31. Dezember 1900 — ob durch bessere Instruktion der Zähler oder durch „künstliche Nachhilfe", sei dahingestellt — eine Übereinstimmung in den verschieden gewonnenen Resultaten endlich erzielt wurde. Werfen wir nunmehr einen Blick auf die Tabelle I. Wir ersehen dann, daß Serbien zwar nicht zu den sogenannten Nationalitätenstaaten gehört — dazu ist das Vorwiegen der Serben zu groß — daß aber immerhin ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung — gegen ein Zehntel — aus „Landfremden" besteht. Vornehmlich kommen unter den letzteren Rumänen, Zigeuner, Deutsche und Juden in Be-!) cf. St. Kgr. Serb. Bd. XIII. p. CIV. Anm. 1. 2) Wir werden infolge mangelnden Materials leider nicht umhin können, für einige Betrachtungen statt der Konfessionsziffern die anderen heranzuziehen.

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