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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-08-01 · Heft 8-9 (August 1906) · p. Seite 140

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 8-9 (August 1906)
Article
Die Kriminalität der Juden in Rußland
Date
1906-08-01
Page
Seite 140 (sequence 1)
Language
German
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— 140 Biß Kriminalität der Juden in Rußland. Von Leopold Am Dr. Weinberg (Dorpat) veröffentlicht in Aschaffenburgs Monatschrift für Krimiualpsychologie (Februar-Märzheft) einen bemerkenswerten Aufsatz über die Kriminalität der Bevölkerung in Russland nach der neuesten Volkszählung von 1897 unter dem Titel: „Psychische Degeneration, Kriminalität und Basse." Schon aus dessen Titel läßt sich ersehen, in welchem Zusammenhang der Verfasser die Kriminalität betrachtet wissen will. Er geht von der Annahme aus „daß verbrecherische Neigungen biologisch bezw. organisch begründet sind" und untersucht die Kriminalität „als im Zusammenhang mit den Stammes¬ und Bassendifferenzierungen stehend." Der Verfasser wählt zu seiner Vergleichung kulturgeschichtlich wenigstens annähernd zu einander gehörende Gruppen, nämlich Bussen, Polen, Letto-Littauer, Juden und stellt die folgende Tabelle*) auf, welche sich auf den 28. Jan. 1807, den Tag der letzten russischen Volkszählung, bezieht und neben der Gesamtzahl der Angehörigen jener Nationalitäten die Zahl derjenigen Personen jeder Nationalität angibt, *) Es ist zu bemerken, daß der offizielle Census keine Spezifizierung der Verbrecher gibt, es sind daher auch politische Verbrecher darunter. Eine solche Spezifizierung findet sich allerdings in einem Werke von Kovalewsky: La Psychologie criminelle (Petersburg 1903.) S. 22/23. Die dort enthaltenen Angaben verlieren jedoch dadurch an Wert, daß Verfasser nur die Relativzahlen angibt, nicht mitteilt, woher er sie entnommen und nicht die Zeit, für die sie gelten. Diesen Vorbehalt vorausgeschickt ergibt sich folgendes: Die Israeliten in Rußland haben an den Gewalttätigkeitsdelikten einen geringen Anteil. Bei Delikten wie Angriffe auf Leben, Körperverletzungen, Angriffe auf die Person, gewalttätige Eigentumsberaubung nehmen die Verurteilten jüdischer Nationalität den untersten Platz ein, während sie dagegen bei. Landstreicherei, Paßbetrügereien, SittlichkeitsdeJikten einen großen Prozentsatz aufweisen. Der charakteristische Zug der Kriminalität der juden ist ihre große Zahl von Uebertretungen der Ven walttingsanordnungen. Die wegen dieser Delikte Ver; urteilten machen J/3 aller verurteilten Juden aus und überragen die Zahl der wegen Diebstahl Verurteilten. Dieselben Erscheinungen zeigen sich auch in der deutschen Kriminalstatistik. brunn in München.; die sich an jenem Tage in den Gefängnissen j Korrektionsanstalten und Verbrecherkolonien i befanden.! Auf Grund der Tabelle kommt Verfasser! zu folgenden Ergebnissen: Die Tabelle zeigt, ,i daß in dem Kontingent der wegen Vergehen | gegen das Strafgesetz Verurteilten 2 Gruppen,! Juden und Polen, am stärksten vertreten sind : j Juden mit 22, Polen mit 23 pro 10000 der | Straf mündigen. Zu unterst stehen die Letto- | Littauer mit 17 pro 10 000 und in der Mitte! die Küssen mit 19 pro 10 000. I Bei den Frauen fällt sofort auf, dass ein unverhältnismäßig großer Teil der Verurteilten \ sich aus Polinnen rekrutiert, ihre Beteiligung \ übertrifft um das 2 Va-fache die der übrigen; 3 Nationalitäten. Auffallend erscheint vor allem die hohe : Kriminalität der Juden im Gegensatz zu i Deutschland und anderen Ländern. Verfasser : führt aus, es könnte den Anschein haben, daß hier andere Verhältnisse als die der Abstim-; mung als solche maßgebend sind. Der Hin- : weis auf die Rasse kann ja, wie Verfasser I selbst zugibt, mehreren Einwendungen be- | gegnen, unter anderem dem, daß die etwa j ermittelten Lmterschiede der Kriminalität mit! anderen Faktoren wie soziale Zustände, öko- \ nomische Bedingungen, Bildungsniveau etc. in \ Zusammenhang stehen. Meines Erachtens! muß man die hohe Kriminalität der Juden; in Rußland namentlich auf diese letzteren i Momente zurückf(ihren, wogegen der Einfluß | der Rasse fast ganz verschwindet. Zu bei denken ist auch, daß doch sicherlich die Juden i in Rußland ein großes Kontingent zu den! politischen Verbrechern stellen, woraus auch zum Teil ihre hohe Kriminalität nach der obigen Tabelle zu erklären ist. Verfasser bebehauptet allerdings, daß dieser Annahme die noch höhere Kriminalitätsziffer der Polen widerspreche, die doch nicht in so schwieriger ökonomischer Lage sich beiluden. Dies ist nicht richtig. Bei den Polen sprechen

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