Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1906)
- Article
- Ein Beitrag zur Statistik der Juden in Großbritannien
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 120 (sequence 8)
- Language
- German
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— 120 — Juden konstatiert wurde, beständig zurück, stiegen jedoch gleichzeitig in Limehouse und Mile End, wo die Zahl der Juden geringer ist. und nahmen in dem Bezirk Southwark und in London im allgemeinen bedeutend zu. Während der Jahre 1886—90 und 1890—1900 sank die Kindersterblichkeit um 15,3 % in Whitechapel und um 30/o in dem gesamten Bezirk Stepney, wogegen die Zahl in Southwark um 8,1% und in London im allgemeinen um 5,3 °/o stieg. Diese Unterschiede nicht nur in der Grösse der Zahl, sondern auch in dem Fortgang der Kindersterblichkeit in den jüdischen und nichtjüdischen Bezirken kann nur auf die niedrigen jüdischen Ziffern zurückzuführen sein. Sir Shirley Murphy schrieb den Ausländem (d. h. den Juden) in Stepney die Eigenschaften der Enthaltsamkeit, der Verwendung größerer Sorgfalt auf ihre Kinder, auf sich selbst und auf ihre Lebensweise zu. Dr. L. D. Thomas, der Arzt des Bezirkes, führte die geringe Kindersterblichkeit unter den Juden auf die Tatsache zurück, daß die Fälle, wo die Mütter ihre Kinder selbst nähren, bei den jüdischen Müttern häufiger sind, wodurch die durch Diarrhoe verursachte Kindersterblichkeit um die Hälfte vermindert wird. Die von Dr. Niven, dem Bezirksarzt von Manchester gegebenen Ziffern zeigen noch auffallender die außerordentlich niedrige Kindersterblichkeit in dem zum großen Teil von Juden bewohnten Distrikten. Von allen statistischen Bezirken, in welche die Stadt Manchester eingeteilt wird, war während der Jahre 1898—1901 die Sterbeziffer im Bezirk Cheetham, in dem die meisten Juden wohnen, in jedem Jahre die niedrigste, 1898 betrug die Ziffer 196 für die ganze Stadt und 122 für Cheetham, 1899 betrug sie 205 für die Stadt und 104 für Cheetham. So bewegte sich in dem jüdischen Hauptdistrikt von Manchester die Kinder-Sterblichkeitsziffer nur zwischen 50—60'Vo der Ziffer für die ganze Stadt. Die auf den vorhergehenden Seiten gegebenen Ziffern bestätigen diese Schlußfolgerung in jeder Weise, da sie eine sehr geringe Kindersterblichkeit unter den Juden in London an-; geben. Die Zahl der jüdischen Geburten in | ganz London wurde im Jahre 1903 auf 6487 j geschätzt, die Zahl der Sterbefälle unter einem! Jahre betrug 831. Dies ergibt eine Kinder- | Sterblichkeitsziffer von 128 auf tausend Gebur-! ten im Jahre 1903, welche Zahl erheblich j niedriger ist als die für die Gesamtbevölkerung i von London (161 per 1000 in den Jahren : 1896/1900). Die Ziffer für Stepney betrug ': im selben Jahre 138, in Bethnal Green \ 141, in Shoreditch 171, in Southwark 148, I in Bermondsey 158 und in Chelsea 142. [ Dieses Resultat ist in so vollkommener \ Übereinstimmung mit den Resultaten anderer; Beobachter in Bezirken, die eine große Ani zahl Juden beherbergen, daß sie, wie ich wohl \ hoffen darf, ein ziemlich großes Maß Vertrauen | in die Methode und in die Richtigkeit der An-; nahmen, auf welchen die Ermittelungen des; gegenwärtigen Artikels gestützt sind, gerecht- I fertigt erscheinen lassen. 7. Heiraten und Heiratsziffern. Die Frage der jüdischen Heiraten bringt : einige Schwierigkeiten anderer Art mit sich. : Die einzigen Ermittelungen, die existieren, be- : ziehen sich auf „Heiraten nach jüdischem j Ritus", und die Zahl derselben ist sicherlich geringer als die der Heiraten der Juden oder der als Juden bezeichneten Personen, wie ein- I gangs erläutert- Es ist z. B. bekannt, daß! manche jüdischen Hei raten auf dem Standes- I amt und andere, bei denen nur der eine Teil i jüdisch ist, in Kirchen stattfinden. Andere r- : seits ist bei einer gewissen Anzahl der in den; Synagogen geschlossenen Heiraten der eine \ Teil nicht jüdisch. Ferner darf die Einwirkung j der Einwanderung nicht aus den Augen ge- I lassen werden, umsomehr als die wirkliche | Zahl der Heiraten in der jüdischen Bevölkerimg I durch die noch nicht ein Jahr alten Ehen, die | unter den eingewanderten Juden geschlossen : wurden, vermindert wird. Außerdem ist es; bekannt, daß eine gewisse Anzahl sogenannter; unerlaubter (illicit) Heiraten jährlich unter den; ärmeren jüdischen Klassen stattfindet, die die | übliche Synagogen-Steuer nicht bezahlen