Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1906)
- Article
- Der Einfluß des Antisemitismus auf die Gestaltung der Kriminalstatistik
- Date
- 1906-07-01
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
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— 110 — hältnis der zur Anzeige gebrachten strafbaren Handlungen zu den übrigen kaum ändert und jener Fehler einigermaßen ausgeglichen wird. Ganz anders ist es aber, wenn man die Kximinalitätsziffern mehrerer Volksklassen miteinander vergleichen will, zumal y/enn dieselben durch Abstammung und Religion verschieden und durch politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Gegensätze getrennt sind. In einem solchen Falle wird man in Betracht ziehen müssen, daß die Neigung zum Denunzieren von der Zugehörigkeit des Täters zu der einen oder anderen Klasse in hohem Maße beeinflußt wird. Dies dürfte namentlich dann zutreffen, wenn der Täter ein Jude ist. Ohne sich besonders als Antisemit auszuzeichnen und ohne besonders boshaft und gehässig zu sein, wird der Nichtjude, der sich von einem Juden beleidigt oder betrogen glaubt, viel eher dessen Bestrafung herbeizuführen suchen als dann, wenn der Täter ein. Christ ist. In letzterem Falle ist das Rachegefühl, welches in dem von einer strafbaren Handlung betroffenen Christen hervorgerufen wird, zweifellos weniger stark und wird in vielen Fällen entweder von anderen Regungen und Überlegungen zurückgedrängt werden oder an sich so schwach sein, daß von einer Strafverfolgung Abstand genommen wird. Trifft dies zu — ein ziffermäßiger Beweis kann, wie bereits hervorgehoben, nicht erbracht werden, — so stellt sich die Kriminalitätsziffer der Juden in der Kriminalstatistik als zu hoch dar, und zwar darf füglich behauptet werden, daß es sich hier um einen Fehler zu Ungunsten der Juden handelt, der erheblich mehr ins Gewicht fällt als andere in der Literatur hervorgehobene Unrichtigkeiten, die auf Mängeln der statistischen Technik beruhen. In erhöhtem Maße gilt dies für die Delikte, welche nur auf Antrag verfolgt werden. Es dürfte daher die größere Beteiligung der Juden an der Beleidigung, der Verführung und dem Ehebruch zum guten Teile auf das hier behandelte Moment zurückzuführen sein. Statistisches Archiv, Berlin. Jahresbericht des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Nach den vom Deutseh-lsr. Gemeindebund (D. I. G. B.) im Mai 1906 herausgegebenen „Mitteilungen" (No. 66) betrug der Etat in Einnahmen u. Ausgaben für die Zeit vom 1. IV. 1905—31. III. 1906 159 500 (gegenüber 96915 M. im Vorjahre). Die allgemeinen (nicht bestimmten Zwecken zugewiesenen) Einnahmen setzen sich zusammen aus: Beiträgen von Gemeinden 34 229 M. „ persönl. Mitgliedern 7 389 „ einmaligen Zuwendungen 2 320 „ Ueberweisungen aus den Abschlußprämien der Versicherungs-Gesellschaft Victoria 10 O00 . Die übrigen Einnahmen stammen aus Zinsen des Vermögens und einzelner Fonds und Zuwendungen für spezielle Zwecke. Zu den wichtigsten Ausgaben gehören: Förderung dos Religionsunterrichts 19 7H0 M. Fürsorge für Gemeindebeamte 27 404 „ Verwaltungsunkosten 15 704 „ Förderung des Handwerks 4 396 „ Fürsorge-Erziehung (Anstalten in Repzin und Plötzensee} 26 073 „ Archiv der deutschen Juden 5 979 „ Das Vermögen des D. L G. B. und der von ihm verwalteten Stiftungen betrug Ende des Berichtsjahres 643 001 M. |] :—:-1| Die Zahl der Juden in Leipzig jj Leipzig, jj betrug nach den Angaben des Ver- 11 —- waltungsberichtes der Stadt Leipzig für 1900 (Leipzig 1903) am 1. XII. 1900 in Alt-Leipzig 5504 2,86° 0 der Gesamtbevöiker. „ Neu- „ 667 0,25 % „ „ Ges.- „ 6171 1,35 % „ Die relative Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Leipzig seit dem Jahre 1832 gibt nachfolgende Tabeiie an. Prozentanteil der Juden an der Gesamtbevölkerung. Jahr | Alt-Leipzig | Neu-Leipzig j Leipzig 1832 0,32 — — 1819 0,51 — — 1858 0,96 — — 1861 1,00 — — 1864 1,20 — - 1867 1,26 — — 1871 1,62 0,05 1,06 1875 2,00 0,09 1,33 1880 2,13 0,09 1,33 1885 2,13 0,09 1,28 1890 2,11 0,19 1,15 1895 2,39 0,20 1,21 1900 2,86 0,25 1.35