Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1906)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung in Amsterdam
- Date
- 1906-07-01
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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— 98 - die Zahl der 3 Hauptkonfessionen im Jahre 1849 mit den Zahlen vom Jahre 1899, so haben sich vermehrt die Juden um 234,8 % (von 25156 auf 59065) „ Protestanten „ 201,3% („ 149503 ,,300906) „Katholiken „ 245% („ 49272 „ 120701) Das Wachstum der Juden bleibt also hinter demjenigen der Katholiken nur wenig zurück und übertrifft das der Protestanten. Tabelle IIa. Es wurden geboren im Jahre überhaupt darunter von prof.! kath. j jüd. totgeboren unehelich Mutter prot. | kath. jüd. | prot. | kath. j jüd. 1900 1901 1902 1903 9657 9974 9484 9600 4023 1466 4139 1490 4059! 1399 4278 j 1391 354 414 407 383 98 170 165 178 51 59 42 50 491 224 j 25 455 1961 10 365 163! 24 415 | 200 1 12 b. im Jahre Es entfielen auf je 1000 Personen gleich. Konf. Geburten bei den Unter je 1000 Geburten waren Totgeburten b. den| uneheliche b. den Prot | Kath.j Jnd. Prot, j Kath. Jnd. | Prot. 1 Kath.j Jnd. 1900 1901 1902 1903 32.0933,3324,82 33,15:34,2925,23 31,5233,6323,69 31.90 35,44i23,55 36,66 41,51 42,91 39.90 24,36 41,07 40,65 41,61 34,79 39,60 30,02 35,94 50,84 58,17 45,6247,35 38,4940,16 43,23146,75 17,05 6,71 17,16 8,63 Über die Zahl der Geburten bei Juden und Christen unterrichtet Tab. IL Aus derselben geht hervor, daß die Amsterdamer Juden etwa Y4 weniger Geburten haben als die Protestanten und Katholiken. Es entfielen nämlich im Durchschnitt der Jahre 1900/1903 auf je 1000 Protestanten 32,14 Geburten „ „ „ Katholiken 34,17 „ „ „ „ Juden 24,32 „ Mit dieser Geburtenziffer nimmt die jüdische Bevölkerung in Amsterdam ungefähr die Mitte ein zwischen der sehr fruchtbaren jüdischen Bevölkerungsmassein Galizien, Rußland, Rumänien, Ungarn (durchschnittlich ca. 34°/00) und den in den letzten Jahren außerordentlich schwach sich fortpflanzenden Juden in Bayern, Preußen, Böhmen (ca. 18°/0o). Geht man von der Annahme aus, daß die Geburtenziffer der Juden mit wachsender "Wohlhabenheit und Entfernung von dem orthodox-jüdischen Familienleben sinkt, so würde die verhältnismäßig niedrige Geburtenziffer in Amsterdam einen Schluß darauf zulassen, daß die Juden daselbst sich in verhältnismäßigem Wohlstande befinden. Das ist mit ihrer Zugehörigkeit zum Fabrikarbeiterstande durchaus vereinbar, da die Diamantarbeiter zu den höchstbezahlten und bestorganisierten Arbeitern der Welt gehören und — abgesehen von den allerdings nicht seltenen Krisen in der Diamantindustrie — im Durchschnitt erheblich günstigere Erwerbsverhältnisse haben als die jüd. Handwerker und Händler in Osteuropa, dagegen hinter den Juden Mittel- und Westeuropas an Wohlhabenheit wohi zurückbleiben. Inbezug auf Totgeburten stehen die Juden etwas günstiger da als die Christen. Es waren nämlich durchschnittlich in den Jahren 1900/1903 unter 1000 jüdischen Geburten 35,09 Totgeborene, unter 1000 katholischen 36,92 und unter 1000 protestantischen 40,24. Uneheliche Geburten gab es bei den Juden etwa 4 mal weniger als bei den Protestanten und Katholiken (durchschnittlich 12,39°/C0 gegen 44,54°/00 bezw.48,ll°/00). Die Zahl der Eheschließungen ist in Tabelle III angegeben. Danach ist die Heiratsziffer Tabelle III. im Jahre Eheschließungen fanden statt Auf je 100 rein jüdische Eheschließungen entfielen Mischehen: in absoluten Zahlen unter je 1000 christl.*) 'jüdische Mi«cheher zw. Jad* n xl. Christ-.*) Christen Juden 1899 3472 383 31 7,73 6,75 8,1 1900 3584 317 28 7,96 5,61 8,8 1901 3672 379 43 8,17 6,79 11,3 1902 3733 354 48 8,32 6,40 13,6 1903 3692 318 64 8,24 5,94 20,1 1904 3617 356 43 8,05 6,40 12,1 der Amsterdamer Juden niedriger als die der christlichen Einwohner, obwohl das Gegenteil zu erwarten wäre, da infolge der geringeren Geburtenzahl der Juden sich unter ihnen verhältnismäßig mehr Personen in heiratsfähigem Alter befinden dürften als unter den Christen. Es müssen also eine erhebliche Anzahl Juden entweder garnicht oder erst spät heiraten. Die Mischehen zwischen Christen und Juden zeigen eine Tendenz zur Zunahme. Sie *) EheschiießnDgen zwischen Konfessionslosen und solchen unbekannter Konf. inbegriffen.