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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-06-01 · Heft 6 (Juni 1906) · p. Seite 85

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 6 (Juni 1906)
Article
Stand und Bewegung der jüdischen Bevölkerung im Grossherzogtum Hessen während des 19. Jahrhunderts
Date
1906-06-01
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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— 85 — Die Sterbeziffer der Juden ist von 18,8 in 1866/70 auf 14,3 in 1901/04 gefallen. Durch diese Umstände erklärt es sich, daß der Geburtenüberschuß bei den Christen gestiegen, bei den Juden aber von 13,0 in 1876/80 auf 4,7 in 1901/04 gesunken ist. Die Zahl der unehelich Geborenen ist bei den Juden sehr gering. Bei den Christen kommen auf 100 Geborene ungefähr 8, bei den Juden nur 2—3 unehelich Geborene. Hinsichtlich der Totgeborenen sei bemerkt, daß in den 5 Jahren 1900/04 bei den Juden 88 Totgeborene gezählt wurden, das macht 3,6 der jüdischen Geborenen (einschl. Totgeb.) gegen 3,5% der christlichen Geborenen des Zeitraums 1896/1900. Um zum Schluß die große Übereinstimmung der im Vorangehenden behandelten Bevölkerungsverhältnisse der Juden in Preußen, Bayern und Hessen zu zeigen, möge noch folgende Zusammenstellung hier Platz finden: „ 0 _ ° Preuß. Bayern Hessen / 1876/80 14,0 14,2 13,4 \ 1896/1900 14,5 15,1 13,5 Geburtsziffer / 1876/80 32,4 33,3 31,6 (einschl. Totgeb.) \ 1896/1900 21,4 19,0 19,8 Sterbeziffer ( 1876/80 18,9 19,2 18,6 (einschl. Totgeb.) \ 1896/1900 15,4 13,9 15,5 Geburtenüberschuß I 1876/80 13'5 Hl 13'° LTeourtenuDer^cJiuß 1896//1900 5?6 5jl 4.3 Heiratsziffer Zur Biologie und Pathol Von Dr. Lei I. Die jüdische B-asse hat im Laufe ihrer Geschichte eine Reihe biologischer Eigentümlichkeiten erworben, die sich naturgemäß in eine Haben- und eine Sollseite teilen lassen. Jedoch stellen wir gleich eingangs fest, daß die günstigen Eigenschaften überwiegen. Vor der Beratung der neuen Bill zur Beschränkung der Einwauderung nach England fand vor derAlien-Immigration- Commission in London eine Enquete statt (1902). Der Londoner Sanitätsrat Mr. Shirley Forstes Murphy machte dabei folgende Aussage: Die Zahl der fremden Juden in Sterny, zu dessen Sanitätsrayön die dichtbevölkerten Vororte St. Georges in The East, Whitechapel Limehouse und Mile and Old Town gehören, stieg seit dem Jahre 1891 von 11,3 Prozent auf 18,2 Prozent, während die Sterblichkeitsziffer von 25 pro Mille auf 23 pro Mille gesunken ist. Die Kindersterblichkeit hat in London im allgemeinen zugenommen, während sie in diesem Bezirke geringer wurde. Auf die Frage, welchem Umstände dies zuzuschreiben, antwortete der Sanitätsrat: „Wenn die Einwanderung der Juden überhaupt irgend einen Einfluß ausgeübt hat, so war er hauptsächlich in der Verringerung der Mortalität und speziell der Kinder fühlbar. Ich war selbst überrascht und ging der Sache nach und fand, daß dieses gie der jüdischen Rasse. Sofer, Wien. Resultat ausschließlich der Lebensweise zuzuschreiben sei, welche die fremden Juden führen. Es ist bekannt, daß sie dem Alkoholgenuß am wenigsten ergeben sind, ihren Kindern die größte Sorgfalt zuwenden, und ein geregelteres Leben führen als unser Volk unter denselben Verhältnissen.44 Ich lege auf diese Aussage besonderes Gewicht, weil sie — von ihrer Unvoreigenommenheit als selb verständlich abgesehen — Juden betrifft, die als Einwanderer in ein Land, dessen Sprache sie nicht verstehen, unter den denkbar schlechtesten sozialen Verhältnissen leben; bekannt ist das „Schwitzsystem", unter dem sie arbeiten. Dr- J. Silvagni schreibt 1902 in der „Rivista critica di Clinica Medica": „Die Juden haben überall eine längerer Durchschnittslebensdauer als die übrige Bevölkerung. In Budapest ist die mittlere Lebensdauer bei den Christen 26, bei den Juden 37 Jahre; in London sind die entsprechenden Zahlen 36 und 49. Aehnliche Verhältnisse gelten überall, für Preußen, Holland, Nordamerika, selbst für Rumänien, trotz des Elends, in dem die Juden dort leben. Auch gegenüber Mohamedanern, so in Algier, ist die Sterblichkeit bei den Juden geringer als bei anderen Rassen. Die niedrige Sterblichkeitsziffer der Juden erklärt sich zunächst daraus, daß bei ihnen die Kindersterblichkeit sehr gering ist. In London starben 14 Prozent der im

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