Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Kritische und ergänzende Bemerkungen zur Literatur über die Kriminalität der Juden
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2650397-3187651-3187657-3188791--0657-3188820- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
verfolgt, so läßt sich kurz sagen, daß die Kriminalität der Christen und Juden immer mehr das Gepräge des Industriestaates annimmt. Dies macht sich bei den Delikten gegen die Person hinsichtlich der Christen durch ein ständiges beträchtliches Anwachsen bemerkbar, das hauptsächlich auf die Arbeiteransammlungen in den Städten zurückzuführen ist. Berg drückt dies in seinem Buche „G-etreidepreise und Kriminalität" (v. Liszt Abhandlungen des kriminalistischen Seminars der Universität Berlin. 1. Bd. II. Heft N. F.) ganz richtig aus, wenn er sagt: „Der gesteigerte Verkehr und die Zunahme und Verdichtung der Bevölkerung sind die Hauptfaktoren, welche richtunggebend auf die Bewegung der gegen die Person sowie gegen den Staat gerichteten Delikte einwirken." Dieselbe Erscheinung hat für Österreich Herz in einem in Aschaffenburg's Monatsschrift erschienenen Aufsatz*) nachgewiesen. Für die Juden trifft dies, da sie einesteils (besonders in Deutschland) kein derartiges Arbeiterkontingent aufzuweisen haben, und andernteils auch aus den oben erörterten Gründen anthropologischer Natur nicht zu. Dagegen geht die Entwicklung der Delikte der Juden gegen das Vermögen mit der der *) 2. Jahrgang ß. 296 ff. »Die Verbrechensbewegung in Österreich in den letzten 30 Jahren in ihrem Zusammenhang mit ■wirtschaftlichen Verhältnissen." j Christen parallel, und zwar zeigen in Deutsch-! land wie in Osterreich die Straftaten gegen das | Vermögen rücksichtlich des Diebstahls eine | konstante Abnahme, rücksichtlich des Betruges j jedoch eine Zunahme.! Nur gilt für die Juden, da sie wirtschaftlich | weiter fortgeschritten sind, der Satz Herz's natürj lieh in verstärktem Maße: „Die Krimmali.täts- I bewegung läßt den Schluß zu. daß die atavistischen j Reste verbrecherischer Betätigung in den Perioden | niedriger Zivilisation: das Beutemachen, Raub | mit Tötung, mutwillige Wertvernichtung mii | fortschreitender Kultur verschwinden, und daß | an die Stelle der ungefesselten Naturkräfte rohen j Volkslebens, die sich in der Zerstörung des I Eigentums und Vernichtung der Person des | Gegners im Kampfe betätigen, die Neigung der j Kulturvölker zu raffinierten Verletzungen des | Vermögens und der Sitte sich zeigt." j Hierzu liefert die einzige bisher von der | Reichsstatistik angestellte Untersuchung hinsicht- | lieh der geographischen Verteilung 'er Delikte, deren Ergebnisse in der Tabelle dargestellt sind, eine Illustration. Die industriell entwickelten, überwiegend städtischen Bezirke haben gegenüber den ländlichen einen weit geringeren Prozentsatz an gefährlichen Körperverletzungen, annähernd den gleichen in bezug auf Diebstahl und ' einen weit höheren in bezug auf Betrug. Die Einwanderung von Juden In die Nach dem Annual Report of the Commissionar! General of Immigration (Washington 1905) sind in dem Fiskaljahre vom 1. Juli 1904 bis zum 30. Juni 1905 (abgesehen von den bei der Landung zurückgewiesenen Einwanderern) im ganzen 1026499 (724914 männl. und 301585 weibl.) Einwanderer in den Häfen der Vereinigten Staaten gelandet. Diese Zahl enthält nur diejenigen Personen, welche den Einwanderungsgesetzen und der Einwanderungskontrolle unterstehen, läßt also insbesondere alle Personen, die das Bürgerrecht in den Vereinigten Staaten haben, sowie die Durchwanderer und einige sonstige von der Einwanderangskonti olle befreite Per- Vereinigten Staaten im Jahre 1904 05.! sonenklassen außer Betracht. Unter den Einwanderern waren 129910 (82076 männl. und 47834 weibl.) Juden; ihre Zahl hat sich also gegen das Vorjahr, wo sie nur 106236 betrug, erheblich vermehrt und eine bisher nie dagewesene Höhe erreicht. Dabei ist zu berücksichtigen, daß unter den „Juden" nur diejenigen Personen gezählt werden, welche das „Jüdische" als Muttersprache sprechen, während Israeliten mit deutscher, französischer, englischer u. s. w. Muttersprache als Deutsche, Franzosen, Engländer u. s. w. zur Anschreibung kommen. Die Zahl der Juden in der amerikanischen Einwanderungsstatistik enthält infolge dieser Form der Registrierung