Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Anthropologische Untersuchungen über die russisch-polnischen Juden und der Wert dieser Untersuchungen für die Anthropologie der Juden im Allgemeinen
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
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— 69 — Diese Bedingungen haben die isolierte Lage der polnischen Juden mit schaffen helfen. Vollkommen autonom in ihrem inneren Leben, haben die Juden sich so auf den Grundlagen der religiös-gesellschaftlichen Traditionen vor dem näheren Zusammenkommen und besonders vor dem Vermischen mit den übrigen Teilen der Bevölkerung bewahrt. Bei dieser Lebensführung konnten die polnischen Jaden nicht nur ihre Traditionen, sondern auch die Reinheit ihres anthropologischen Typus bewahren. Gesamt¬ Darunter In °/o der Gesarutbevölkerung Juden bevölkerung 1867 21014 240 1,1 1881 29974 983 3,3 1897 40146 1620 4,0 Soziales und biostatiscties Malten der Inländischen Juden. Von Dr. R. Weinberg, Dorpat. Bei Gelegenheit der ersten allgemeinen Volksj Zuzuges von außen absolut um das siebenfache Zählung im russischen Reiche, die am 28. Januar j gewachsen. Man zählte im Jahre 1897 erfolgte, wurde in der Stadt Dorpat auf j Veranlassung des Prof. B. Körber die Aufnahme | der Bevölkerung nach einem erweiterten Proj gramm durchgeführt, x) in dem außer den offi- \ ziell festgesetzten Fragen eine Reihe von Moj menten Berücksichtigung fanden, die die sanitären, j demographischen und biostatischen Zustände zum I Inhalte hatten. j Da die Ergebnisse des allrussischen Census, j wie sie in den letzten offiziellen Veröffentlichungen j des Statistischen Zentral-Komites des Ministeriums j des Innern 2) vorliegen, keineswegs den wissenj schaftlichen Erwartungen, zu denen ein solches J Werk hätte berechtigen können, in allen Bej Ziehungen entsprechen, soll im folgenden über | das wesentlichste Resultat der' erwähnten Privatarbeit, die mit wissenschaftlicher Umsicht und praktischer Erfahrung erfüllt ist, kurz berichtet werden, zumal von vornherein anzunehmen ist, daß die sozialen Zustände der Juden in den Ostseeprovinzen infolge des besonderen Milieus, das sich hier ihrer Entwicklung eröffnete, von denen in anderen G-ebieten des weiten Landes erheblich abweichen werden. Wichtige biostatische Verhältnisse, die für die livländischen Juden ermittelt wurden, haben in dem amtlichen Unternehmen keine Behandlung gefunden. Im Laufe der letzten dreißig Jahre ist die jüdische Bevölkerung Dorpats infolge stetigen B. Körb er. Die Stadt Jurjew (Dorpat) in statistischer und hygienischer Beziehung. Acta et Coinroeatationes Imper. üniversitatis Jurjevensis (olim Dorpatensis), Jahrg. XI No. 4—5. 2) Seleve generai pour tout l'empire des resultats du depouillement des donnees du preraier reeensement de ia population en 1S97. St. Petersburg 1905. Auch von den Studierenden an den beiden Hochschulen ganz abgesehen, ist der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung ein beständiger und hat in jenen 3 Lustren 100 % betragen, während die Gresamtbevölkerung in den letzten 30 Jahren sich noch nicht einmal verdoppelt hat. Fern- und Nahewanderung. Die gegenwärtige jüd. Bevölkerung Dorpats stammt zu 3/3 aus den Ostseeprovinzen, zu 2/3 aus den übrigen Provinzen Rußlands, namentlich aus Lithauen. Sie zählt nur zum Teil zu den seßhaften Einwohnern: vor allem handelt es sich um eine große Zahl von Studierenden, deren Zahl 1905 sich auf 184 Fakultätshörer und Pharmazeuten belief, x) und sehr vieje zugereiste Kaufleute, deren Anzahl die der seßhaften um das sechsfache übertrifft. Was die Wanderung (zeitweilig Anwesende und Abwesende) betrifft, so kommen auf 100 zugereiste Juden 60 abgereiste, woraus hervorgeht, daß sie nächst den Esten und Deutschen (106 bezw. 70 Abgereiste) die größte Beweglichkeit entfalten. Auf die gesamte Wohnbevölkerung berechnet, ergab sich bei den Juden ein Verhältnis von 3,02 zeitweilig Abwesenden auf jedes Hundert, v) Personal der K. Universität Jurjew, nach dem Bestände am 15. Oktober 19-a5. Jurjew 1905 § 53 und. 61.