Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-05-01 · Heft 5 (Mai 1906) · p. Seite 67

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 5 (Mai 1906)
Article
Anthropologische Untersuchungen über die russisch-polnischen Juden und der Wert dieser Untersuchungen für die Anthropologie der Juden im Allgemeinen
Date
1906-05-01
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2650397-3187651-3187657-3188788--0641-3188810
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 67 — Zum Zwecke einer besseren Beleuchtung und einer ausführlicheren Analyse des Kopfindex der Juden wollen wir seine Größe auf den Schädel reduziert näher betrachten, d. h. die Größe, die wir erhalten, wenn wir zwei Einheiten von dem an lebenden Personen ermittelten Kopfindex subtrahieren. Zu diesem Zwecke haben wir außer unseren eigenen noch die Beobachtungen von Blechmann, Dybowski, Weißenberg und Jakowenko benutzt, zu denen wir außerdem teilweise die Messungen von Grlück, der den Kopfindex auch in der Reduktion auf den Schädel •einer Betrachtung unterwirft, hinzugezogen haben. Wir erhalten auf diese Weise 653 Messungen des Schädelindex. Die Verteilung der letzteren nach bestimmten Normen ergibt ein etwas anderes Bild der Typen, als dies oben beschrieben. Freilich herrscht auch hier die Brachykephalie vor, aber in einem bedeutend geringeren Maße. Die Zahl der echten Brachykephalen geht im Mittel auf die Hälfte zurück (14,56% gegen 31.87%), die allgemeine Summe der Brachy- und Subbrachykephalen, die dreiviertel der ganzen Zahl der lebenden Individuen ausmacht, macht bei der Reduktion auf den Schädel blos die Hälfte aus. Was aber die Dolichokephalen anbetrifft, so ist deren Zahl fast drei Mal so groß geworden (20,37% gegen 6,25%) im Vergleich mit deren Anzahl bei den lebenden Individuen. Daraus folgt, daß bei der Reduktion auf den Schädel der dolichokephale Typus bedeutend stärker hervortritt: z. B. unter den lebenden Individuen ist er bei den polnischen Juden 10 Mal, bei den spanischen 8 Mal so selten als der brachykephale; bei der Reduktion auf den Schädel tritt der dolichokephale Typus bei den ersten blos zweieinhalbmai, bei den zweiten nur anderthalbmal so selten als der brachykephale auf. Auch hier lenkt die Tatsache die Aufmerksamkeit auf sich. daß der Prozentsatz der dolichokephalen Schädel unter den polnischen Juden fast dem mittleren Prozentsatze für die ganze Zahl der sonst verglichenen Schädel gleicht, einer Zahl, die man überhaupt als das Maß der Dolichokephalie unter den Juden, so weit sie bis jetzt wenigstens in Rußland untersucht worden ist, annnehmen kann.1) Also ist der von Ikow gefundene Prozentsatz für die Dolichokephalen (14%) unter den von ihm untersuchten russischen Juden etwa um 6 % niedriger als der angegebene Mittelwert, was wohl aus der geringen Zahl der beobachteten Individuen zu erklären ist (nur 51 bei Ikow), wohingegen der von uns abgeleitete Wert aus 653 Beobachtungen berechnet ist und deshalb begründeter erscheint. Der mittlere Index bei diesen 653 Individuen beträgt, reduziert auf den Schädel, 80,18 und ist etwas kleiner als die entsprechende von Ikow angegebene Größe. In den einzelnen Fällen ist sein Wert noch kleiner, wie z. B. bei den polnischen Juden (78,89), bei denen aus Rogatschew (79,69) und bei den Spaniolen (78,1). Demgemäß entfernen sich alle Messungen (mit Ausnahme derjenigen an den Juden im Kaukasus) aus dem Bereiche der Subbrachykephalie und der echten Brachykephalie und nähern sich den Grenzen der Mesokephalie, und einige, wie die eben erwähnten, gehören gänzlich der Gruppe der Mesokephalen an. Der Vergleich dieser Größen mit den Resultaten der unmittelbaren Messungen an jüdischen Schädeln von Welker (78,4), Weißbach und Devis (81,11), Lombroso (78) und uns (78,65), erlauben, eine gewisse Aehnlichkeit zwischen den einen und den anderen zu konstatieren, was man aber von den Beobachtungen von Ikow (74,5) und Kollmann (83,9) nicht behaupten kann. Vergleich mit Semiten. Einer großen Verschiedenheit begegnet man, wenn man die Indices der Juden mit den allerdings spärlichen kraniometrischen Zahlen über die Araber und andere Semiten vergleicht. So hat Lombroso 7 phönikische Schädel aus dem 7. Jahrhundert gemessen und den Index 73 gefunden; andere Gelehrte (Gillebert d'Hercourt, Zagneau, Topinard, Ellis-Ceser) geben für den Index der arabischen Schädel 73,8—76,3 an: schließlich besitzen wir auch für syrische Beduinen einen Schädelindex (75,4), der sich wenig von den angegebenen Zahlen unterscheidet. Daraus l) Schließt man auch hier die polnischen Juden aus der Betrachtung aus, so erhält man folgende Daten: Dolichokephale 20,58 % Mesokephale 26,05% nnd Brachykephale 53,42%. Auch in diesem Falle verändert sich unsere Schlußfolgerang also nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.