Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Anthropologische Untersuchungen über die russisch-polnischen Juden und der Wert dieser Untersuchungen für die Anthropologie der Juden im Allgemeinen
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
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— 52 - haben wir den allgemeinen Mittelwert, der jedem T}'pus zukommt, berechnet. Auf diesem Wege haben wir auf 1715 Juden, die von Talko-Gritschewitsch, Weißenberg. Blechmaim. Jakowenko und uns beobachtet wurden, 55% dunkle. 13% blonde und 32% gemischte Individuen gefunden- Körpergröße. Die mittlere Größe der polnischen Juden erreicht nach unseren Beobachtungen 1610 mm Diese Zahl bestätigt nicht nur die allgemein ver breitete Meinung von der Kleinheit der Juden sondern sie gehört gleichzeitig zu den kleinsten in der anthropologischen Litteratur bekannten Bestimmungen der Größe der Juden. Dieser von uns ermittelte Wert tritt in etwas anderem Lichte hervor, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf seine Abhängigkeit von den beiden Faktoren Alter und Milieu richten. Diese werden die größte Bedeutung haben, da die erwähnten Messungen unter Fabrikarbeitern vorgenommen worden sind. Wir wollen zu allererst erwähnen, daß die polnischen Juden das Maximum ihrer Grolle ziemlich spät erreichen, nämlich mit 40—50 Jahren, während die südrussischen, im allgemeinen schon größer als die polnischen, ihr Maximum mit 25—30 Jahren schon erreicht haben, cl. h. ca. 10 Jahre früher als die letzteren. Ebenso haben unter den galizischen Juden die Individuen im Alter von 25—30 Jahren die Maximalgröße, während diejenigen, die älter als 30 und jünger als 25 Jahre sind, kleiner sind. Gleich ihnen erreichen die weißrussischen Juden nach Beobachtungen von Jakowenko ihre Maximal große mit 23—30 Jahren Wir ersehen daraus, daß die polnischen Juden mit der endgültigen Entwickelung ihrer Größe gegen die südrussischen, galizischen und weißrussischen Juden sich verspäten, da diese letzten 3 Gruppen zehn Jahre früher ihre Höchstgröße erreichen. Diese Erscheinung steht unzweifelhaft in nahem Zusammenhange mit den Bedingungen der Fabrikarbeit, unter welchen sich die Juden, die zu unseren Beobachtungen gedient haben, befanden. Die negative Einwirkung der Fabrik auf die Größe der Arbeiter ist genügend bewiesen von Dementje£f, Zotobieff und vielen anderen Gelehrten. In Anbetracht dessen kann man mit Tabelle IL Daner des Fabrikaufenthalts Zahl der Individuen Mittlere Größe ■ji p S & s < S Bis 5 Jahr......... 36 1628 30,3 6-10 , ....... 41 1619 27,5 11-15 „ ....... 44 1599 28,7 16-20 „ ......... 35 1591 34.7 21-25 » ......... 15 1629 39,5 26—30 „ ......... 20 1609 46,5 31 und mehr........ 9 1603 49,9 großer Sicherheit behaupten, daß die mittlere Größe der jüdischen Bevölkerung der Weichselgegend größer ist. als die Zahl, die man aus den Beobachtungen von Fabrikarbeitern bekommt. Dies bestätigt sich zum großen Teil, wenn man ihre Größe in Verbindung mit der Dauer des Aufenthaltes in der Fabrik betrachtet. (Tab. IL) Wir stoßen dabei auf folgendes: Trotz der zu erwartenden Gleichmäßigkeit in der Verkleinerung der Gestalthöhe im Zusammenhange mit der Dauer des Aufenthaltes in der Fabrik erhalten wir hier außer dem Anfangsmaximum noch ein zweites, das einer Periode von 21 —25 Jahren Fabrikarbeit entspricht. Diese auf den ersten Blick paradoxe Erscheinung erklärt sich dadurch, daß die angeführte Größe der Fabrikarbeiter eine Funktion zweier Variablen darstellt, erstens des Alters und zweitens der Zeitdauer des Fabrikaufenthaltes. Je nachdem, ob die beiden Faktoren nach einer oder nach entgegengesetzten Richtungen gewirkt haben, bekommen wir auch verschiedene Resultate, d. h. der Charakter in der Aenderung der Größe wird nun verschieden. Was unsere Juden anbetrifft, so setzt ihre Gestalt ihr Wachstum bis zu 40 Jahren fort und erlangt erst im fünften Jahrzehnt ihres Lebens ihr Maximum, andererseits ruft der Aufenthalt in der Fabrik eine Verkleinerung ihrer Gestalt hervor, die gleichzeitig mit der Verlängerung des Aufenthaltes in der Fabrik bis aut 20 Jahre (was einem mittleren Lebensalter von 34.9 Jahren entspricht) ziemlich rasch vorwärts schreitet. Aus einer Verlängerung des Fabrikaufenthaltes auf 21—25 Jahre, der auch dem mittleren Alter von 39,5 Jahren, d. h. einer