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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-01-01 · Heft 1 (Januar 1906) · p. Seite 3

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 1 (Januar 1906)
Article
Die russischen Juden nach der Volkszählung von 1897
Date
1906-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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- 3 — Hier sind also sogar die orthodoxen Christen den Israeliten voraus. Es offenbart sich hierin der außerordentliche Einfluß, den die leichte Zugänglichkeit des Schulunterrichts auf die Verbreitung von Bildung ausübt. Es besteht nämlich zwischen Stadt und Land in Rußland der große Unterschied, daß die Städte fast durchgängig Elementarschulen unterhalten, die auf den Dörfern sehr häufig nicht vorhanden sind. Die in ihrer Mehrheit in Dörfern lebenden orthodoxen Christen können schon aus diesem Grunde ihren Kindern vielfach keinen Schulunterricht angedeinen lassen. In den Städten schicken sie dagegen ihre Kinder — und zwar Knaben wie Mädchen — zur Schule und erlangen infolgedessen vor den Israeliten, die auch in den Städten ihre Töchter nur zum geringem Teile dem Unterricht zuführen, den oben ersichtlichen Vorsprung. Tabelle II. Von je 100 des Lesens kundigen Personen sind im ganzen russischen Reiche in den Städten Orthodoxe Christen u. Dissidenten 63,95 63,23 Römisch- (und Armenisch-) KathoL 13.87 10.70 Protestanten........ 9,98 7,^3 0,61 1.38 7,68 14,88 3,75 1,85 Angehörige anderer Religionen . 0,16 0,13 100,00 100,00 Den Anteil der einzelnen Konfessionen an der des Lesens kundigen Bevölkerung im ganzen Eeiche und in den Städten stellt Tabelle II dar. Das wesentliche Ergebnis hieraus ist das, daß die Israeliten, die 4,15% der Gesamtbevölkerung und 15,65% der städtischen Bevölkerung des russischen Reiches ausmachen, unter den des Lesens kundigen Personen im ganzen Reiche mit 7,68% und in den Städten mit 14,88% vertreten sind. Im europ. Rußland (ohne Polen) j sind unter den des Lesens kundigen Personen j 7,40%, in den Städten 13,92% Juden, in Polen | betragen die entsprechenden Prozentsätze 14,47% ■ und 6,71%, im Kaukasus 1,41% und 3,06%, in Sibirien 2,37% und 5,03%, in Zentralasien 1,13% und 2,49%. | Die bisher gegebenen Relativzahlen sind in- I sofern nicht ganz genau, als sie dem Umstände | nicht Rechnung tragen, daß unter den einzelnen | Konfessionen die Altersgliederung verschieden; ist. Bei den Israeliten, die erheblich mehr Kinder I in den ersten Lebensjahren unter sich haben, | als die meisten anderen Konfessionen, müssen | infolgedessen natürlich auch mehr lesensunkundige | Personen vorbanden sein, ohne daß dies auf I Rechnung mangelnder Schulbildung zu setzen I wäre, denn jene Kinder stehen noch garnicht im; Schal alter. Zur Ausmerzung dieses Fehlers sind I in Tabelle III die Lesenskundigen unter den | Hauptkonfessionen nach Altersgruppen geschieden. Sieht man von der jüngsten daselbst verzeichneten Altersgruppe (1—9 Jahre) ab, weil bei dieser ungewiß ist, wie viele dieser Kinder noch nicht im Schulalter sind, so zeigt sich bei allen Konfessionen, daß die Zahl der lesenskundigen | Personen um so höher ist, je jünger die Alters-! klasse ist. Das läßt darauf schließen, daß die I Verbreitung von Elementarbild ug von Jahrzehnt j zu Jahrzehnt Portschritte gemacht hat und zwar J insbesondere auch bei den Frauen. Während | z. B, unter den über 60 Jahre alten Juden nur! 54,3%, unter den über 60 Jahre alten Jüdinnen | nur 14,9% lesenskundig sind, betragen die cnt- | sprechenden Prozentsätze in der Altersgruppe 20—29 Jahre 70,8 bezw. 45,6%. Aehnlich ist es bei den anderen Konfessionen. Eine Ausnahme von dieser Regel macht nur die Altersklasse 10—19 Jahre, die merkwürdigerweise sowohl bei den Juden wie bei Polen und Deutschen weniger Lesenskundige zählt, als die Altersklasse 20—29 Jahre. "Wir sehen keine Möglichkeit, diese Erscheinung anders zu erklären, als daß die russische Regierung in der Zeit von 1885—1897 zwar den Schulunterricht der Russen gefördert, dagegen den der nichtrussischen Nationalitäten vernachlässigt hat. Es ist sonst nicht zu verstehen, wieso bei den Russen die 10—19 Jahre alten Personen inbezug auf Elementarbildung den 20—29 Jahre alten Personen soweit überlegen, bei den genannten anderen Nationalitäten dagegen soweit unterlegen sind. Im Einzelnen ist zu Tabelle III noch zu bemerken, daß sich nach ihr als die Nationalität mit den wenigsten An-

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