Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 11 (November 1905)
- Article
- Russische Studierende an westeuropäischen Universitäten
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 11 (sequence 3)
- Language
- German
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— 11 Krakau und Lemberg studieren zahlreiche Christen aus Eussisch-Polen und inachen unter den Russen sicherlich die Majorität aus. Wenn eine Schätzung auf Grund persönlicher Auskünfte, die ich eingezogen habe, erlaubt ist, so dürften unter den Russen in Krakau und Lemberg nur 1/4j, in Wien dagegen B/i Juden sein. Das würde eine Zahl von zirka 110 russischen Juden an österreichischen Universitäten ergeben. Insgesamt würde die Zahl der jüd. Studierenaus Russland damnach in Deutschland 655 „ Oesterreich 110 „ der Schweiz 850—1270 „ Frankreich 280— 370 Summa 1895—2405 betragen. Da nach den über die russischen Universitäten vorhandenen Daten (vergl. Zeitschrift No. 8) in Rußland im Jahre 1899 1757 jüdische Studierende vorhanden waren, so ergibt sich, daß die Mehrzahl der russischen Juden bisher darauf angewiesen war, sich ihre akademische Bildung aus dein Auslande zu holen. Es ist zu bemerken, daß die vorgehenden Ziffern sich nur auf Universitäten beziehen und hinter der Gesamtzahl der Juden; welche des Studiums halber aus Russland nach den westlichen Ländern gehen, zurückbleiben, da eine große Zahl nicht die Universitäten, sondern die technischen Hochschulen, Handelshochschulen, Polytechniken u. s. w. besucht. Für diese Institute sind aber irgend welche verläßlichen statistischen Angaben nicht zu beschaffen. Im Anschluß an die von Dr. J. Thon im 8. Hefte der Zeitschrift gebrachte Abhandlung über die durch Geburten und Sterbefälle verursachte Bewegung der jüdischen Bevölkerung in< Bayern seit dem Jahre 1876 soll hier versucht werden, die Entwicklung noch weiter rückwärts zu verfolgen und ein vollständiges Bild für das gesamte 19. Jahrhundert zu geben. Tabelle I. Die Entwicklung im jiidlsoiien BrooHKFunB in Bayern m 13. Mindert*) Von Rudolf Wassermann in München. Im Jahre 1800 (damals gehörte ein großer Teil der bayerischen Gebiete noch zu andern Territorien) soll die Zahl der bayerischen Juden nur 3000 betragen haben, während für das Jahr 1813 (Erlaßjahr des Judenedikts) die Zahl der Juden schon auf ungefähr 30 000 angegeben wird. Genau auf Zählung beruhende Angaben finden sich erst seit dem J ahre 1818 und sind in Tabelle I zusammengestellt. Bei Betrachtung der Tabelle I ist vor allem das starke Zurückgehen der jüdischen Bevölkerung in den Jahren 1840—1867 auffällig (um 1/G ihres Bestandes). Die Gründe hierfür sind politischer Natur, indem 1. die Einwanderung von Juden seit 1840 verboten war. 2. die Zahl der jüdischen Familien, die sich an einem Ort ansiedeln durften, festgesetzt war, 3. gewisse Berufszweige (z. B. Hausieren) den Juden ganz untersagt waren. Dazu kam noch, daß der § 18 des Judenedikts *) Bei der ziffeirmäßisi-en Feststellung lies Materials leisteten ioio---\ ' t t> i i i mir Tabellen, die von Dr. E. Straus in München anläßlich, eines von lÖAd*), zwar die Freigabe des brewerheüber das gleiche Thema in München gehaltenen "Vortrags an-_____ gefertigt waren, wertvolle Dienste. " Der Verf. **) Nach Mavr, Beiträge zur Sta'istik des Königreichs Bayern, Heft XX, Seite XXXI and Seite 37. Jahr der Zählung Gesamtbevöikerung Juden Auf je 1000 Einwohner entfielen Jnden 18; 8 3 6 0 452 53 208 14,5 1840 4 370 997 **) 59 376**] 13,6 1852 4 559 452 56 158 12,3 1887 4 824 421 49 840 10,3 1871 4 852 626 50 648 10,4 1S75 5 022 390 51 335 10,2 1880 5 284478 53 52 H 10,1 1885 5 420199 53 697 9,9 1890 5 594 982 53 885 9,6 1895 5 818 544 53 750 Q 2 1900 6 176 057 54 928 s!ö *) Edikt über die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen im Königreich Bayern vo;n 17. Juli 1818 (zitiert nach dem königl. bayer. Intelligenz oiatt),