Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 11 (November 1905)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung in Krakau
- Date
- 1905-11-01
- Page
- Seite 6 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Tabellen I und II geben die absoluten und relativen Zahlen der christlichen und jüdischen Geburten in den Jahren 1886 — 1899 mit Berücksichtigung der Vitalität. Legitimität und des Geschlechtes an. Aus Tabelle II ergibt sich, daß die Geburtenziffer bei den Christen wächst, bei den Juden dagegen fällt. In den Jahren 18861893 war die Geburtenziffer bei den Juden höher, in den folgenden 5 Jahren bleibt sie dagegen niedriger als bei den Christen. Im Allgemeinen läßt sich ein ständiger relativer Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Krakau feststellen. Es wurden nämlich in Krakau gezählt Tab. III. Es starben im Jahre Christen Juden?bsoi 1 in % d. aDb0L! Ges.-Bev. 1857 21 273 12 937 37,8 1869 32 168 17 675 35,5 1880 39 883 19 947 33,3 1890 48 494 20 736 29,8 1900 65 653 25 670 28,1 Während aber in den früheren Perioden der relative Rückgang der jüdischen Bevölkerung bei ihrer höheren Geburtenziffer und niedrigeren Sterbeziffer als bei den Christen nur auf eine stärkere Einwanderung der christlichen Bevölkerung und wahrscheinlich auch zahlreichere Auswanderung der Juden aus Krakau zurückzuführen war, sehen wir vom Jahre 1895 einen weiteren Grund für die Abnahme der jüdischen Bevölkerung in der abnehmenden Geburtenhäufigkeit bei den Juden. Dazu tritt ferner noch der Umstand, daß die Zahl der Totgeburten (Tab. II) wächst. Sie bleibt zwar noch mim er ziemlich bedeutend hinter der Zahl der Totgeburten bei den Christen zurück, doch nimmt sie verhältnismäßig rascher wie diese zu. Es waren nämlich bei den Christen im Jahrfünft 1886/90 unter 100 Geburten durchschnittlich jährlich 4,02 Totgeburten, im darauffolgenden Jahrfünft 4,16 und in den Jahren 1896/99 4,38, bei den Juden dagegen in denselben Perioden 2.49. 3,32 und 3,49. In der Tabelle II ist die Zahl der unehelichen Geburten angeführt. Hierbei ist jedoch zu bemerken, daß die Unehelichkeit der Geburt unter je 100 gleich. im Jahre Christen; Juden Konfession Christen | Juden 1890 2209 588 4,11 2,81 1891 2037; 541 3,71 2,54 1892 2190 ' 507 3,92 i 2.33 1S93 2562 586 4,49! 2,64 189 c 2341 550 4,03 2 42 1895 2219 i 545 3,73 2.36 1896 2295; 570 3,78 2>7 1897 2208 : 433 3,56! 1,79 1898 2177; 441 3,44 1,79 1899 2395 i 496 3,72 1,97 1900 2271! 488 3,46! 1,91 bei der christlichen und jüdischen Bevölkerung eine ganz verschiedene Bedeutung hat und die entsprechenden Zahlen daher nicht mit einander verglichen werden können. Diesen Umstand hebt auch die amtliche Statistik immer hervor. „Fast alle diese unehelichen jüdischen Geburten", heißt es dort*}, „entspringen aus den nach jüdischem Ritus geschlossenen, vom Staatsgesetze nicht anerkannten Ehen. Die faktisch unehelichen Geburten sind bei den Juden sehr selten, zumal die jüdischen Mädchen, welche in den Hospitälern gebären, nicht selten ihre Kinder taufen lassen, sodaß deren jüdische Abstammung nicht immer aus der Geburtskarte heraus zu ermitteln ist." Für uns aber sind diese Zahlen indirekt ein Beweis dafür, wie sehr die staatlich anerkannte Form der Eheschließung unter den Juden in Krakau immer häufiger in Anwendung kommt. Wir sehen nämlich, daß die Zahl der unehelichen (aus rituell jüdischen Ehen abstammenden) Kinder in steter Abnahme begriffen und am Ende des von uns behandelten Zeitraumes erheblich kleiner geworden ist als sie am Anfang war (54,3% im Jahre 1899 gegen 71,4% im Jahre 1886J. Allerdings zeigt andererseits der Prozentsatz von 54,3% unehelichen jüdischen Geburten, daß noch immer mehr als die Hälfte aller Juden nur nach jüdischem Ritus ehelich verbunden ist, also in einer nach dem bürgerlichen Recht ungültigen Ehe lebt. *) Statist. Bericht für das Jahr 188S. S. 2.