Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- Über die Entmischung der Rassen
- Date
- 1905-10-01
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 10 — < 1 er f remd en Art sind : die M i sch u n g z e r 1 e g t sich wieder in ihre Komponente]]." Im weiteren führte ich aus, daß die geschlechtliche Auslese das Aufgehen des „Fremden" in der Stammrasse verhindert. Einen genauen Aufschluß über die Vorgänge bei der Entmischung der Rassen könnten natürlich nur züchterische Versuche geben. Solche sind aber heute unmöglich, und werden höchstens zu spielerischen ZwTecken unternommen. Wollen wir aber doch einen Blick in die Werkstätte der Natur tun, die immer eine und dieselbe ist, so sind wir auf analoge Untersuchungen im Tierreiche und Pflanzenreiche angewiesen. Die Kenntnis der Bastardpflanzen oder Hybriden verdanken wir hauptsächlich den Untersuchungen von Köbreuter, Gärtner, Wichura? Kerner und Focke. Nach ihnen unterscheidet man Hybridation oder zweiartige Kreuzung, im Gegensätze zur gewönlichen oder einartigen, zwischen Exemplaren derselben Spezies stattfindend en Befruchtung. Hybridation ist hauptsächlich bei Phanerogamen bekannt. Der Samen der Bastardpflanzen entsteht, wenn Blütenstaub einer Art auf die Narbe der anderen durch Wind oder Insekten gelangt, oder mittels Pinsel übertragen wird. Im allgemeinen schlagenBastardbefnichtungen am leichtesten ein zwischen Varietäten derselben Art, demnächst zwischen zwei verschiedenen Arten derselben Gattung. Hybridation zwischen Arten aus verschiedenen Gattungen ist selten beobachtet worden, zwischen Arten aus verschiedenen Familien nie. Übrigens ist die Fähigkeit der Art, Bastarde zu erzeugen, verschieden, je nach der Familie. Zwischen zwei kreuzungsfähigen Arten ist in der Regel eine reziproke Befruchtung möglich. Wird eine Spezies mit eigenen und fremden Pollen gleichzeitig bestäubt, so ist nur der eigene wirksam; findet aber die Befruchtung durch den eigenen Pollen einige Stunden später als durch den fremden statt, so wirkt nur der fremde Pollen. Die Bastardpflanzen sind oft in ihrem Wuchs kräftiger als die Stammarten, sie bilden stärkere Stengel, zahlreichere Blätter und bisweilen eine große Menge von Blüten; dagegen zeigen sie oft eine Schwächung der Sexualität. Nicht selten erscheinen die Staubgefäße äußerlich normal entwickelt, aber die Pollenkörner haben nicht die gewöhnliche Ausbildung, oder es sind auch die Staubgefäße ganz verkümmert, bei gefüllten Blüteji in Blumenblätter umgewandelt. In den weiblichen Organen bilden die Samenknospen bisweilen ihre wesentlichen Bestandteile nicht aus, so daß die Befruchtung unmöglich ist, oder die letztere findet zwar statt, allein der Embryo stirbt schon vor seiner völligen Ausbildung ab. In sehr seltenen Fällen bildet sich eine neue lebenskräftige Art. Einen wichtigen Fortschritt erzielte der Brünner Augustinerabt Gregor Mendel, der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts Kreuzungsversuche an Pflanzen, namentlich an Erbsen vorgenommen hatte, deren Ergebnisse er in den Sitzungsberichten des Brünner naturwissenschaftlichen Vereins und in Ostwalds Archiv veröffentlichte. Sie gipfeln darin, daß die Beziehungen der Nachkommen untereinander und zu den Vorfahren einem einfachen mathematischen Gesetz unterworfen sind. Prof. A. S. stellt es in der Wiener „Zeit" folgendermaßen dar: Die männlichen und weiblichen Keimzellen sind vollständig gleichwertig. Wenn sich eine männliche Keimzelle von der Eigenschaft A (zum Beispiele der, violette Blüten zu erzeugen) mit einer weiblichen von der gleichen Eigenschaft A vereint, so wird daraus eine Pflanze mit der betreffenden Eigenschaft A. Sind die Pflanzen, denen diese Keimzellen entstammen, reinrassig, so werden auch alle aus ihrem Samen hervorgehenden die Eigenschaft A besitzen, und wenn sich diese dann untereinander vermehren, so werden alle Angehörigen aller Generationen immer wieder dieselbe Eigenschaft A aufweisen. Wenn dagegen eine Keimzelle mit dieser Eigenschaft A (violette Blüten zu erzeugen) sich mit einer andersgeschlechtigen vereint, die diesbezüglich eine andere Eigenschaft B (zum Beispiel weiße Blüten zu erzeugen) hat, so ist das Ergebnis ein anderes. Die zunächst erzielte Hybridform (die erste Generation) hat die Eigenschaft A und B in sich. Diese kommen aber keineswegs in der Weise zum Ausdruck, daß die Hybriden eine mittlere Aus-