Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- Die Juden unter der städtischen Bevölkerung Rußlands
- Date
- 1905-10-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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- Hrodna 1× ep/1044655
- Minsk 1× ep/1000754
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— 2 — So gestalten sich die Verhältnisse im Ansiedlungsrayon. Von einer kompakten Ansiedlung der Juden daselbst ist demnach keine Rede. Die Verhältnisse im übrigen Rußland sind noch viel ungünstiger. Die Gesamtzahl der Oujesden Rußlands beträgt 792, darunter 558 außerhalb des Ansiedlungsrayons. In diesen beträgt die Dichte der jüdischen Bevölkerung nur in zwei Oujesden etwas über 10 % und in sechs weiteren zwischen 5 und 10 %, in den sämtlichen übrigen 550 Bezirken sinkt sie unter 5 %. Aus diesen quantitativen Verhältnissen geht hervor, daß bei einem allgemeinen direkten Wahlsystem mit einer Einteilung in territoriale Wahlbezirke mit gleich großen Bevölkerungsquanten die jüdische Vertretung sehr schlecht ausgefallen wäre. Ganz anders stellen sich die Verhältnisse in den städtischen Orten des Ansiedlungsrayons. Städtische Orte, d. h. solche mit munizipaler Verwaltung, gibt es in Rußland 932, und darin wohnen 16 828 395 Menschen, d. h. 13,4 % der Gesamtbevölkerung Rußlands. Bei der jüdischen Bevölkerung weichen die Verhältnisse vollständig von diesem Durchschnitt ab. Die Gesamtzahl der Juden Rußlands beträgt laut endgiltiger Angaben der Volkszählung von 1897 5 215 805. Davon wohnen in den Städten 2 631809 oder 50,5%. Die Juden bilden demnach eine städtische Bevölkerung par excellence. Noch deutlicher kommt diese Tatsache zum Vorschein, wenn wir in Betracht ziehen, daß die jüdische Bevölkerung nur 4,15 % der Gesamtbevölkerung des Reiches ausmacht, dagegen die jüdische städtische Bevölkerung bereits 15,6 % der gesamten städtischen Bevölkerung Rußlands beträgt. Die Dichte der Juden in den Städten ist demnach fast viermal so groß als im Gesamtgebiet. Damit wir die Rolle der Juden in den Städten näher kennen lernen, müssen wir die Verhältnisse im Ansiedlungsrayon etwas genauer besprechen. Tabelle A, die die Verhältnisse in Nordwestrußland illustriert, zeigt, daß daselbst die Dichte der jüdischen Bevölkerung im Gesamtgebiet zwischen 11,8 und 17,3 °/o schwankt, dieselbe Dichte dagegen innerhalb der städtischen Orte Tabelle A. Nordwes fcrußland. Gouverne¬ Jüdische Bevölkerung cß eS § § J § Jüd. städt. Bevölkerung ment in absol. ^0/'° r7 , , d.Ges.- Zahlen i ßev. ii§ > w tr ° h£ in absoLl,1^0>" rj , , jd. Ges.- Zainen; Bev. 1. WiLia 2. Witebsk 3. Grodno 4. Kowco 5. Minsk 6. Mohilew 204 686 12,9 175 629, 11,8 280 489| 17,3 212 6661 13,7 345 0151 15,9 203 946; 12,0 190 007 215 919 254 591 143 144 224 945 147 187 87 315 44,1 113 837 52,7 148 470! 58,3 6^195j 43,5 133 617! 59,1 77 393| 52,5 Sämtliche 6 Gouv. 1 422 4311 14,1 1 183793 622,827 52,6 zwischen 43.5 und 59,1 % beträgt. Der mittlere Durchschnitt der Dichte der jüdischen Bevölkerung ist in den Städten viermal so hoch, wie im Gesamtgebiet (52,6 : 14,1 %). Tabelle B. Südwestrußlaud. Gouvernement Jüdische Bevölkerung Gesamte städtische Bevölkerung Jüd. städt. Bevölkerung in absol.l^^ Zahlen :%ev/" in absol. Zahlen iü % d. Ges.- Bev. 7. Wolhynien 8. Kiew (ohne Stadt Kiew*) 9. Pod'.dien 10. Poltawa 11. TscheruigöW 395 782 13,3 433 728 12,1 370 612 12,2 110 944 4,0 114 452 5,0 223 847 211 530 234 778 274 294 209 453 119 246 113 107 102 888 80 999 54 789 51,0 58,5 43,8 29,5 26,2 ►Sämil. 5 Gouv. 1 425 684 9,7 1 163 902 471 029! 40:6 * Die Stadt Kiew gehört nicht zum Ansiedlungsrayon. Tabelle B, die die Daten des Rayons von Südwestrußland umfaßt, zeigt genau dieselben Verhältnisse auf wie in Nordwestrußland. Die Dichte der jüdischen Bevölkerung in den einzelnen Gouvernements schwankt zwischen 4,0 bis 13,3%, wogegen dieselbe Dichte unter der städtischen Bevölkerung 26,2 bis 53,5 % beträgt. Der mittlere Durchschnitt der Dichte der jüdischen Bevölkerung ist wiederum in den städtischen Orten viermal so groß wie im Gesamtgebiet (40,6 : 9,7 %). Die Angaben der Tabelle C über die Verhältnisse in Südrußland bestätigen ebenfalls die Tatsache der Konzentrierimg der jüdischen Be-