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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. Seite 8

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Der Cheder-Unterricht in Rußland
Date
1905-09-01
Page
Seite 8 (sequence 3)
Language
German
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— 8 Prozentsatz der Schüler 1GO und sogar mehr erreichen Dieses sonderbare Verhältnis läßt sich dadurch erklären, daß in vielen Orten die Chedarim nicht nur Kinder im gewöhnlich angenommenen Schulalter von 7 bis 14 Jahren aufnehmen, sondern auch ältere als 14jährige und ebenso ganz junge Kinder von 4, 5 und 6 Jahren. Was die Frage nach dem Alter der Schüler anbetrifft, so haben wir keine Statistik für die untersuchten Orte. Eine solche Untersuchung ist nur in Odessa angestellt worden. Unter 954 Schülern im Moldawanka (Stadtteil von Odessa) waren Schüler: unter 7 Jahre alt..... 23% 7 „ „..... 15% 8 „ „..... 17% 9 „ „..... 15% 10 „ „..... 12% 11 „ „..... 11% über 12 „ „..... 7 % 100% Unter den Kindern bis zu 7 Jahren bestand der fünfte Teil (4Va% der Zöglinge überhaupt) aus solchen, die kaum das 4. Jahr erreicht hatten. Die durchschnittliche Schülerzahl der Privat- Chedarim und Talmud-Thora-Schulen gibt nachstehende Tabelle (VI) an. Tabelle VI. Im Die durchschnittliche Zahl der Schüler im Privat-Cheder in d. Talm.-Thora Nordwestlichen Gebiet. Südwestlichen „ Südlichen In Polen.......... 11,8 14 8 17,3 15,0 43,2 40,6 36,5 37,2 In West-Rußland..... 13,9 40,2 In dieser Hinsicht kann die Lage der Cheder- Bildung als eine günstige betrachtet werden. Durchschnittlich kommen auf jeden Melamed (Lehrer) in einem Privat-Cheder 13,9 Schüler. In den Talmud-Thora-Schulen ist die durchschnittliche Zahl der Schüler 40,2, aber da in jeder Talmud-Thora meistens 2 Melamdim sind, so entfallen auf jeden Melamed nicht mehr als 20 Schüler. Stände die Cheder-Bildung in andern Hinsichten höher, so wäre die geringe Zahl der Schüler auf jeden Melamed eine erfreuliche Erscheinung, denn hierin ist ein von der modernen Pädagogik "West-Europas erst angestrebter und doch noch fern liegender Zustand in den elenden russisch-jüdischen Chedarim schon längst verwirklicht. Auf die Präge, welcher Klasse der jüdischen Bevölkerung die Chedarim dienen, können wir antworten, daß bis jetzt in den Chedarim die jüdischen Kinder aller Schichten Unterricht erhalten. In Kiew entstammten die Cheder-Kinder in 17 % der wohlhabenderen Klasse, in 55 % der Mittelklasse der Bevölkerung, in 28% der armen Klasse. Isfur im Süden wird das Cheder eine Schule ausschließlich der armen Klasse. In Odessa teilen sich 856 Cheder - Zöglinge in folgende Gruppen: Kinder von kleinen Krämern, Altwarenhändlern; Wasserträgern usw. 41%, Kinder von Handwerkern 29%, Kinder von Tagelöhnern 19%, Kinder von Fabrikarbeitern 8%. Aber dieses statistische Material kann nicht als genügend betrachtet werden, auch nicht für Odessa, da der Stadtteil, in dem die Untersuchung stattfand, nur von Armen bevölkert ist. c) Lehrer. Da in jedem Privat-Cheder ein Melamed vorhanden ist und in den Talmud-Thora-Schulen zumeist 2, so ergibt sich, daß im Ansiedlungsrayon ca. 26 000 Juden dem Melamed-Beruf sich widmen. Außer den Cheder-Melamdim begegnen wir in allen Städten noch Privatlehrern, die den Schülern zu Hause Unterricht erteilen: man nennt sie, zum Unterschied von den Melamdim, „Lehrer". Ihre Beschäftigung trägt den Namen „Stunden geben", während die Melamdim ihre Art des Unterrichts „Knellen" nennen. Im allgemeinen dient diese Beschäftigung als Ernährungsquelle für ca. 100 000 Köpfe der jüdischen Bevölkerung Rußlands, wenn wir auch die Familien der Melamdim mitrechnen. Inbezug auf das Menschenmaterial, aus dem sich die Melamdim rekrutieren, meinen die Korrespondenten der Jewish - Colonisation - Association, daß es Leute sind, die zu keiner anderen Beschäftigung fähig sind. Unter den Melamdim Odessas befanden sich in den 90er Jahren ehemalige Vermittler, Krämer, Siegellackfabrikanten

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