Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 8 (August 1905)
- Article
- Zur Pathologie der Juden
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 10 (sequence 1)
- Language
- German
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— 10 — Zur Pathologie der Juden. Von Dr. Richard Weinberg, Privatdozent an der Universität Dorpat. Auf Grund des Zahlenmaterials über Erkrankungen an Favus (Kopfgrind), das von Dr. N. Jakimowitsch zu St. Petersburg im dortigen Nikolai-Militärhospital und in den übrigen Heilanstalten des Militairresorts in dem Zeitraum von 1898—1903 an neu conscribirten Rekruten von 21—23 Jahren gesammelt wurde*), ergibt sich folgende Verbreitung dieses Leidens (das hier im Lande nicht von der Militärpflicht befreit) bei den verschiedenen in der St. Petersburger Garnison vorhandenen Nationalitäten: I. Nocolai- Miiitärhospital ' II. Uebrige Militärhospitäler Petersburgs Rechtgläubige (-Russen). . . . Römiseh-Katkoliken . Lutheraner ....... Armenier........ Muhamedaner..... 96= 60,4% 51= 32,0% Ö- 5^o/0 2= 1,3% 1 0,6 o/0 506= 77,6% 94= 14,4% 17= 2,6% 4- 0,6% 10= 1,5% 21= 3.3% 159 100,0%! 652= 100,0% Man ersieht daraus, daß die Juden einen außerordentlich hohen Prozentsatz unter den Favus-Kranken darstellen, der auch die Gesamtmasse des Beobachtungsmaterials bezogen durchschnittlich 811 :602 74,2% davon ausmacht. Merkwürdigerweise widerspricht dies nicht den Ergebnissen, zu denen andere Beobachter (Michnewicz, Orlow), auf die Jakimowitsch sich stützt, auf mehr indirekte Weise gekommen sind. Auch zeigt eine Durchsicht der Häufigkeitsziflern für die einzelnen Gouvernements, aus denen die Conscribirten herstammten, daß sich jene hohen Prozentsätze bei den Juden aller geographischen Provinzen in gleicher Weise vorfinden, wenn auch zu bedenken ist, daß das Material für eine detailliertere Betrachtung nach *) Materialien zur Frage über die Verbreitung; des Favus io der russischen Armee und seine Heilung nach den im Nikolai- Militärhospital zu St. Petersburg gebräuchlichen Methoden. Russische Zeitschrift für Haut- und Geschlechtskrankheiten Jahrgang IV, Band Vll, No. 3, Seite 347. Charkow 1904. dieser Richtung hin noch zu wenig umfassend erscheint. Eine Abhängigkeit der Neigung zur Favuskrankheit von der Nationalität (und Rasse) hat insofern einige Wahrscheinlichkeit für sich, als beispielsweise für die mohamedanischen Rekruten, die sehr selten daran leiden, sich hat eine ähnliche Konstanz in den verschiedenen geographischen Territorien nachweisen lassen. Man muß nur mit solchen Schlüssen aber nicht zu weit gehen, da auch gewisse Nebenumstände hier in Betrachtung kommen als Paktoren, die auf die Hinneigung zu bestimmten Erkrankungen, und namentlich solchen parasitärer Natur, nachgewiesenermaßen einen bedeutenden Einfluß üben. Es versteht sich unter anderem von selbst, daß für die hohen FavuszifFem der jüdischen Conscribirten im Verhältnis zu anderen Nationalitäten und Konfessionen in erster Linie das ungünstige soziale, ökonomische und sanitäre Milieu, aus dem jene hervorgehen, mit verantwortlich zu machen sein wird. Jüdisches Material ist überhaupt nicht immer mit anderen ohne weiteres vergleichbar. Es ist bei Fragen der Rassencharakteristik nicht zu vergessen, daß in der russischen Armee gerade die Juden sozusagen als Produkte eines künstlichen „Lieblingsprozesses" auftreten, der dadurch herbeigeführt wird, daß die einigermaßen besser situierten, sowie \ die kräftigeren, gesunderen, aktiveren Elemente vielfach der Militärdienstpflicht durch Auswanderung oder auf anderem Wege entgehen. Zur Einreihung in die Regimenter kommen bei ihnen durchweg nur Leute der ärmsten und sozial unterdrückten Bevölkerungsgruppen, die in allen Rassen naturgemäß das größte Kontingent parasitärer Erkrankungen zu liefern pflegen. So schlägt denn die allgemeine Rechtlosigkeit der Juden ein Loch in so manche Statistik, falls sie nur mit nackten Zahlen arbeitet ohne Rücksicht auf die näheren Umstände, denen diese ihre Entstehung verdanken.