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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1905-06-01 · Heft 6 (Juni 1905) · p. Seite 8

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1905)
Issue
Heft 6 (Juni 1905)
Article
Das Wachstum der jüdischen Bevölkerung in Preußen
Date
1905-06-01
Page
Seite 8 (sequence 4)
Language
German
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- 8 ziffer bekannten Ländern Irland und Frankreich noch 23.0 bezw. 21,6 beträgt. Tabelle IV giebt eine Uebersicht über die Sterblichkeit bei Juden und Christen seit dem Jahre 1877. Das Interessanteste hieraus ist die außerordentliche Verringerung der Kindersterblichkeit bei den Juden, die allerdings zum großen Teile nur die Kehrseite der geringeren Geburtenziffer darstellt; denn es ist klar, daß die Zahl der im Säuglings- und Kindesalter sonst häufigen Todesfälle zurückgehen muß, wenn die Zahl der Geburten geringer wird. Während im Jahro 1877 noch 45,07 % aller gestorbenen Jaden beim Tode noch nicht 15 Jahr alt waren, betrug dieser Procentsatz im Jahre 1903 nur noch 20,75 % (bei den Christen dagegen 50,39 %). Die relative Sterbeziffer, d. h. die Zahl der jährlich auf 1000 Einwohner kommenden Sterbefälle, ist in dem Zeitraum von 1877 bis 1903 bei den Christen von 24,73 auf 20,61, bei den Juden von 17,38 auf 14,40 gesunken. Wie die Geburtenziffer der Juden, so ist auch diese ihre Sterbeziffer von 14,40 so außerordentlich niedrig, daß sie bei keinem andern Volke ein Analogon hat. Die Sterbeziffer beträgt in Europ. Rußland (ohne Finnland und Polen) 31,4 Ungarn.............25,5 Oesterreich............24,9 Italien.............22,0 Frankreich............19,5 Deutschland...........19,4 Irland.............17,5 den Niederlanden.........16,3 Norwegen............15,9 Schweden............15,4 Dänemark............14,6 Selbst in Dänemark, das unter allen Ländern die niedrigste Sterbeziffer hat, ist dieselbe immer noch etwas höher als bei den preußischen Juden. Zieht man die Sterbeziffer von der Geburtenziffer ab, so beträgt der jährliche Geburtenüberschuß auf 1000 Einwohner: im Jahre [bei den Christenj bei den Juden 1885 12,29 10,33 1890 12,58 7,64 1895 15,12 6,66 1900 14,57 4,52 1901 15,82 5,07 1902 16,82 5,21 1903 15,42 4,00 Der Geburtenüberschuß ist also in der Zeit von 1885 bis 1903 bei den Christen von 12,29 auf 15,42 gestiegen, bei den Juden von 10,33 auf 4,00 gesunken. Einen ähnlich niedrigen Geburtenüberschuß haben von europ. Ländern nur Irland (5,5) und das wegen seiner geringen Bevölkerungsvermehrung bekannte Frankreich, das mit einem Geburtenüberschuß von nur 2,1 sogar noch hinter den preußischen Jaden zurückbleibt. Vergleicht man, wie eingangs erwähnt, die durch Abzug der Gestorbenen von den Lebendgeborenen (einschl. der unehel. Kinder von jüd. Mutter und der Hälfte der Kinder aus Mischehen) zwischen zwei Volkszählungen rechnungsmäßig zu erwartende Bevölkerungszunahme mit der bei der Volkszählung wirklich ermittelten Zunahme, so erhält man das in Tabelle V wieder¬ Tabelle V. Im Zeitraum vom 1. 12.1885 bis 30.11.1890 Im Zeitraum vom 1. 12. 1890 bis 1.12.1895 Im Zeitraum vom 2. 12. 1895 bis 20.11.1900 sind Juden gestorben .... Geburtenüberschuß...... hiervon ab: Verlust durch Austritte und Taufen 45 302 29 678 42 442 28 896 39 386 27 496 15 624 1250 13 546 2 000 11890 2 500 Verlust von Kindern aus Mischehen (schätzungsw.) Rechnungsmäßige Zunahme Bleibt durch Wanderung zu erklärende Abnahme (—) oder Zunahme (4-) . . . . 14 374 664 11546 696 9 390 775 13 710 5484 10 850 | 8 615 7 657 | 12 606 -8 226 | -3 193 |+3 991 gegebene Bild. In dieser Tabelle ist berücksichtigt, daß erstens die Juden durch Taufen und Austritte aus dem Judentum einen Verlust an ihrem Bestände erleiden1), und daß zweitens von den Kindern aus Mischehen nicht, wie eigentlich anzunehmen, die Hälfte, sondern — nach den in Preußen gelegentlich der Volkszählungen!) Die für die Verluste durch Taufen und Austritte eingesetzten Ziffern sind Schätzungen auf Grund der darüber vorliegend n zerstreuten Daten, insbesondere der „Statistischen Mitteilungen aus deutschen evangel. Landeskirchen" (Stuttgart 1902 u. frühere Jahre) und der Verwaltungsberichte der Jüd. Gemeinde in Berlin.

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