Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1905)
- Article
- Über die sprachlichen Verhältnisse der Juden Russlands
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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- 5 - Tabelle III. Nichtjuden, welche „jüdisch" als Mattersprache angegeben haben, waren vorhanden: Rayon (Iriecli, ortlioö. <=> "ca w Lntlierau, Andere Cliristen C—i iis H §11 i fcj «X= Ö *^ -s^'S ° Nordwest- Rußland 324 626 34 39 32 1055 0,07 Südwest- Rußland 716 141 36 40 16 949 0,07 Siidrußland . 1059 34 71 20 23 1 207 0,17 Polen..... 352 1253 421 79 50 2155 0,16 Im ganzen Ansiedlungsrayon in Prozent . 2 451 45,7 2 054 38,3 562 10,5 17S 3,2 121 2,3 5 366 100 0,11 Hiernach ist die Zahl der in der offiziellen Statistik zum Vorschein kommenden „gewesenen" Juden, die, dem Drange der Not folgend, ihrem Glauben untreu geworden sind, in dem Ansiedlungsrayon nicht gross, im Ganzen kaum 0,11 % der jüdischen Bevölkerung, aber der weitaus grössere Teil blieb wohl unbekannt, denn um als getaufter Jude in Russland die „jüdische" als Muttersprache anzugeben, muss man tatsächlich Mut oder grosse Naivität besitzen. Der grössere Teil der getauften Juden befindet sich ausserhalb der Grenzen desAnsiedlungsrayons im weiten russischen Reich zerstreut, denn die durch die Taufe erlangte Möglichkeit, die Grenzen des Ghetto zu überschreiten und Freizügigkeit und Bewegungsfreiheit zu erwerben, bildet ja die hauptsächliche Veranlassung zur Taufe. In Südrussland und Polen kommen verhältnismässig mehr Taufen vor als in Nord- und Südwestrussland. Was die Konfessionen der getauften Juden anbetrifft, so nimmt selbstverständlich die griechisch-orthodoxe als Staatskonfession die erste Stelle ein, alsdann folgt die katholische, ziemlich gross ist die Zahl der Lutheraner und anderen reformierten Christen (730 unter der Gesamtzahl von 5376 getauften Juden), wahrscheinlich, weil die Formalitäten des Uebertrittes mit weniger Zeremonien verbunden sind. In den russischen Städten kann man sehr häufig den Ausdruck hören: „er wohnt auf einen Taufschein", d. h. er hat sich bei einem protestantischen Pastor einen Taufschein ausstellen lassen und dadurch das Wohnrecht im heiligen Russland erworben. Als Kuriosität muss auch verzeichnet werden, dass wir 121 Muselmänner mit „jüdischer Sprache" als Muttersprache vorfinden. Das Msfum der jüdisclu Von Dr. Arthur Von den drei Faktoren, welche für das Wachstum der Bevölkerung innerhalb eines bestimmten Gebietes maßgebend sind, der Zahl der Geburten, der Zahl der Sterbefälle und dem Verhältnis der Einwanderung zur Auswanderung, werden für Preußen nur die erstgenannten beiden Faktoren durch die Statistik unmittelbar für die einzelnen Konfessionen zahlenmäßig ermittelt. Dagegen fehlt es an einer statistischen Registrierung der (dauernd oder vorübergehend) nach bezw. von Preußen Ein- und Auswandernden. Ihre Zahl läßt sich für die Juden nur mittelbar dadurch feststellen, daß die Zahlen zweier aufeinander folgenden Volkszählungen in der Weise miteinander verglichen werden, daß der Zahl der früheren Volkszählung die bis zur späteren Volksn BevöIHerung in Preußen. Ruppin, Berlin. Zählung erfolgten Geburten und Sterbefälle zubezw. abgerechnet werden, und die zwischen diesem errechneten Sollbestand und der Zahl der späteren Volkszählung sich ergebende Differenz durch Abwanderung bezw. Zuwanderung erklärt wrird. In Tabelle I ist die Zahl der Geborenen in Preußen, nach Konfession, Legitimität und Vitalität unterschieden, für die Jahre 1875 bis 1903 einzeln angegeben. In dieser Tabelle ist am bemerkenswertesten der Umstand, daß die Zahl der Geborenen aus jüdischen Ehen in der Zeit von 1875 bis 1903 von 11 133 auf 6854 gesunken, die Zahl der Geborenen aus christlichen Ehen dagegen im gleichen Zeitraum von 993 384 auf 1 177 494 gestiegen ist. Mit anderen Worten: