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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1905-06-01 · Heft 6 (Juni 1905) · p. Seite 2

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1905)
Issue
Heft 6 (Juni 1905)
Article
Über die sprachlichen Verhältnisse der Juden Russlands
Date
1905-06-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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— 2 - Mähren, Kassuben, Holländer, Tschechen, Friesen, Wallonen, Italiener und andere; vollkommen abwesend ist nur die jüdische Nationalität, und zwar aus dem Grunde, weil die Muttersprache der deutschen Juden mit der deutschen Sprache identisch ist. Als ganz besonders charakteristisch in diesem Sinne müssen die auf Seite 99 des oben erwähnten Werkes angebrachten Tabellen betrachtet werden. Dort befinden sich zwei Tabellen aneinander gereiht; die erste ist betitelt: „Nationalitäten in Europa", die zweite „Konfessionen in Europa". Wie in der einen, so gibt es in der anderen eine Rubrik „Israeliten". Im ersten Fall ist die Ziffer der Israeliten auf 5726 Tausend und als 1.4% der Gesamtbevölkerung Europas angegeben (es handelt sich um die Angaben Ende des Jahres 1900), im zweiten Fall (d. h. bei der Einteilung der Bevölkerung Europas nach den Konfessionen) ist die Ziffer der Israeliten auf 8 884 Tausend und auf 2.2% angegeben. Zur ersten Angabe finden wir eine bemerkenswerte Anmerkung des Herausgebers: „Hier (d. h. in der Rubrik „Israeliten" als Nationalität) werden bloß die Israeliten Rußlands und der Balkanländer ausgewiesen, da die Israeliten der übrigen Staaten sich wenigstens sprachlich assimiliert haben". Die statistische Wissenschaft verfügt über kein anderes äusseres Merkmal zur Kennzeichnung einer Nationalität als die eigene Sprache, und deshalb gibt es keine jüdische Nationalität außerhalb Rußlands, der Türkei, Serbiens, Bulgariens und Griechenlands. Noch auffallender ist in dieser Hinsicht die statistische Aufstellung der Bevölkerung Oesterreich-Ungarns, wo eigentlich die Verteilung in nationale Gruppen eine hervorragende staatliche und praktische Bedeutung hat, und wo die Feststellung der Nationalitätsangehörigkeit mit großer Genauigkeit durchgeführt wird. Auch dort, im Haupttummelplatz des Kampfes der Nationalitäten, finden wir in der tabellarischen Aufstellung der Nationen alle möglichen erwähnt, ausgenommen die jüdische. Die Juden fehlen als Nation, trotzdem eine größere absichtliche Fiktion als die Abwesenheit der jüdischen Nationalität in Galizien, Ungarn und anderen Ländern des habsburgischen Reiches schwer zu erdichten ist. Dank des stillschweigenden Einverständnisses der leitenden jüdischen Kreise ist das jüdische Volkstum Oesterreich-Ungarns mit der anselmlichen Zahl von über zwei Millionen Seelen unter den Deutschen, Polen, Tschechen, Ruthenen, Ungarn und anderen Nationen aufgegangen, indem man die Juden als Polen, Ruthenen oder Deutsche registrierte, trotzdem das Deutsch der letzteren sicherlich fast ausschliesslich der jüdischdeutsche Jargon ist, der mit der deutschen Sprache ebensowenig zu identifizieren ist, wie der Jargon der russischen Juden. Als Hauptträger der jüdischen Nationalität, wenigstens in den offiziellen Dokumenten und in der wissenschaftlichen Statistik Europas, verbleibt also Rußland. In den Veröffentlichungen über die Volkszählung im russischen Reich finden wir die Gesamtzahl der Juden als konfessionelle Gruppe in einer Zahl von 5 215 805, als nationale Gruppe in einer Zahl von ö 063156 angegeben. Wir ersehen daraus, daß die Zahl derjenigen, die als Muttersprache eine andere Sprache als „jüdisch" angegeben haben, nur einen ganz kleinen Bruchteil der Juden ausmacht. In den statistischen Heften der einzelnen Gouvernements werden sämtliche Sprachen, die im russischen Reiche als Volkssprachen verbreitet sind, in 18 Kategorien gruppiert, wobei jede Kategorie mehrere Einzel - Sprachen aufweist. So weist zum Beispiel die Kategorie „russische Sprache" drei Einzelsprachen auf, nämlich: großrussisch, kleinrussisch und weißrussich u. s. w. Die uns interessierende IX. Kategorie weist nur eine einzige Sprache, die „jüdische" auf, wobei unter „jüdischer Sprache" der sogenannte jüdisch-deutsche Jargon gemeint ist. Die amtlichen Sphären Rußlands, auch die höchsten, behandeln unsere jargonische Muttersprache mit viel größerem Respekt als unsere liberalen intelligenten Kreise, die ohne Abscheu über Jargon nicht sprechen können. Diejenigen, die ein Interesse für Details der sprachlichen Verhältnisse in den einzelnen Gouvernements haben, muß ich auf meine ausführliche diesbezügliche Arbeit in der russisch-jüdischen

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