Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Das jüdische Rassenproblem
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 6 (sequence 3)
- Language
- German
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— 6 - in Palästina selbst zurückzuführen. Am deutlichsten hat diese Meinung v. Luschan ausge* sprochen und sie wissenschaftlich begründet. Sein Endergebnis lautet: „Die modernen Juden sind zusammengesetzt: erstens aus den arischen Amoritern, zweitens aus wirklichen Semiten, und drittens hauptsächlich aus den Nachkommen der alten Hethiter. Neben diesen drei wichtigsten Elementen des Judentums kommen andere Beimengungen, wie sie im Laufe einer mehrtausendjährigen Diaspora ja immerhin möglich waren und sicher auch vorgekommen sind, gar nicht in Betracht." Den Standpunkt v. Luschan's teilt auch im Allgemeinen Judt, der in seinem vor kurzem erschienenen Buche bestrebt ist, alles, was über das jüdische Bassenproblem bis jetzt veröfrentworden ist, unter Dach und Fach zu bringen. Leider ist aber das ganze Buch von einer gewissen Voreingenommenheit in Betreff der geschichtlichen Daten durchdrungen, die sich auch in der ziemlich oberflächlichen Behandlung und teilweise willkürlichen Deutung des anthropometrischen Materials wiederspiegelt. Wie tief das Vorurteil von der Kurzköpflgkeit der Juden in die Gemüter eingedrungen ist, ist daraus zu ersehen, das Fishberg die Langköpfigkeit der afrikanischen Juden ihrer Entfernung vom ursprünglichen kurzköpfigen Typus zuschreibt. Ist denn aber die allgemeine Kurzköpfigkeit der Juden eine wirklich feststehende Thatsache? Wie ich schon eingangs bemerkt habe, fehlen uns leider ausgedehnte Untersuchungen an den sogenannten sephardischen Juden, aber auch die wenigen, die wir besitzen, zeigen deutlich genug, daß die Zusammensetzung derselben eine ganz andere ist. So sehen wir aus Tabelle I, daß Tabelle I. Dolicho- Meso- Bracliy- Herkunft Zahl cephalie cephalie ceplialie Autor —75 o 75!-800 80— Russ.-Polen 200 i 22 77 Elkind Süd-Russland 100 i 18 81 Weissenberg New-York1) 500 28 35. 618 Fishberg3) Turin 112 36 230 73, Lombroso2) Bosnien 55 73 34; 58," Glück l) Aus aller Herren Länder, -) von mir berechnet. der Prozentsatz der Langköpfigen bei den italienischen und bosnischen Juden viel größer, während dem entsprechend der Prozentsatz der kurzköpfigen bei ihnen viel geringer ist. Die Mittelwerte sagen nichts und wirken nur verwirrend, worauf schon v. Luschan im ersten Hefte dieser Zeitschrift aufmerksam gemacht hat. Nur eine Zerlegung der einzelnen Resultate in Reihen ermöglicht eine richtige Analyse desselben. Ich habe die Angaben Jacobs' absichtlich unberücksichtigt gelassen, erstens weil sie mir nicht im Original vorlagen, und zweitens weil ich die Londoner Juden nicht für echte Sephardim halten kann. Ist es nur einem bloßen Zufall zuzuschreiben, daß die russischen Juden nur etwa 1 °/o Langköpflger, diejenigen von Bosnien aber derer 7 % zählen? Der höhere Prozentsatz der Langköpfigkeit bei den New-Yorker Juden, deren Heimatsland hauptsächlich Osteuropa war, ist entschieden als ein Fehler der sonst fleißigen Arbeit Fishberg's zu betrachten, um so mehr als er in Note 1 zu S. 684 die höchst interessante Tat- Tabelle III. Herkunft Zahl Doliciio- und Mesocephalie Eracbyceplialle Rom?Porta Capena, I. J.n.Chr. 3 3 Rom, Katakombe d. heilig. Calixtus, II . . . ... 5 4 I Rom, jüdische Katakomben 4 3 1 Vom Blutacker zu Jerusalem 4 41) 16 14- =-«»°/o 9__tO 0/ -1-5 /( Paris, Mittelalter XL J.. . . Ii 4 7 Basel, „ XIIL—XIV.J. 12 2 10 Mittelalter.......... 28 0: =26, 17=78 9 Holland............ 11 11 =ioo0 Türkei, Weissenberg .... 11 10 1 „ Ikow-Broca2) .... 3 3 Türkei............. 14 13=02« 1=7 a Italien, Bologna...... 8 8rlOOo1) Afrika.............. 9 0- =1000 12 7 5 2 1 I 14 8 =57, 6=42 9 1 I I 1 *) Dem Mittelindex nach. 2) Durch Abzug der von mir gemessenen von denjenigen durch Ikow gemessenen Schädel.