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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. Seite 4

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
Die transkaukasischen Juden
Date
1905-05-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 - Ich selbst bin in dieser Beziehung, offen gestanden, noch zu keiner endgiltigen Meinimg gekommen, muß aber hervorheben, daß Pantjnchow im Gebiete des Kaukasus unter anderem auch eine „semitische" Rasse zur Darstellung bringt (Les races du Caucase, Tiflis 1900, S. 8 ff.), j als deren bezeichnende und unterscheidende j Merkmale er Brachy-Hyperbrachycephalie mit! Index von 85—87, geringe Körpergröße von j 162—164 cm und brünette Färbung mit 81—87%! braunen Augen aufführt. Er rechnet dazu einerj seits die dortigen „Juden" im engern Sinne, j andererseits die Armenier, Lhasen, sowie einen \ Teil der Grusinier und transkaukasischen Griechen. Es liegen indessen die Verhältnisse hier j offenbar nicht so ganz einfach und schematisch j da, wie man vielleicht glauben möchte. Abj gesehen davon, daß die Bezeichnung „semitisch" | in dem eben angegebenen Sinn vom Stand- \ punkt unserer gegenwärtigen historisch-anthroj pologischen Erkenntnisse, die u. a. F. v. Luschan in i seinem inNo. 1 der Zeitschrift für Demographie und; Statistik der Juden veröffentlichen Artikel erneut j in Erinnerung bringt, zu manchen Bedenken j Anlaß gibt, finden sich auf kaukasischem Boden j noch einige andere brachycephale und hyper-; brachycephale Varietäten, die in jeder Hinsicht j die Eigenschaften jener „Semiten" verkörpern j und nur in anscheinend geringem Grade, wie etwa durch ein gewisses Plus an Körpergröße, reichlichere Behaarung u. a. m. von ihnen sich unterscheiden. Pantjuchow hilft sich hier durch Aufstellung einer besonderen Unterrasse, die er „chaldäisch" nennt und zu deren jetzt spärlichen Vertretern im Kaukasus, wie er annimmt, die Aissoren gehören sollen. Er leugnet aber nicht, daß die Elemente dieser „<,haldäischen" Sekundärvarietät in den Armeniern, Juden und Grusiniern fortleben, also wesentlich in die „semitische" Rasse aufgegangen sind. Im großen und ganzen kann gegenwärtig als sicher gelten, daß jüdische Typen im gewöhnlichen Sinn dieses Wortes auf kaukasischem Boden eine außerordentliche Verbreitung in dem dortigen Völkerbabel auf v/eisen. Manche glauben sogar, daß die Swaneten und Lesghinen ursprünglich Juden waren. Für den armenischen und grusinischen Volksstamm ist die Tatsache einer Beimischung jüdischen Blutes historisch, wie es scheint, gut beglaubigt. Das gleiche wird schließlich auch von den Abchasen und Tataren Transkaukasiens behauptet, und was die Lesghinen betrifft, so hatte v. Erckert bei Gelegenheit seiner anthropologischen Forschungen im Lande entschieden den Eindruck, daß sie zum Teil eine kaukasisch-jüdische Körperbildimg verraten. Das jüdische Rassenproölem. Von Dr. S. Weissenberg in Elisabethgrade Vor zehn Jahren beschloß ich mein Werk über die s Lidrussischen Juden mit den folgenden Worten: ..Jedenfalls aber dürfen wir so lange keine endgültige Antwort auf die Frage nach der anthropologischen Stellung der Juden geben, bis diejenigen Westeuropas, Asiens und Afrikas untersucht worden sind. Eine solche nach einem einheitlichen Prinzipe angelegte und ausgeführte Untersuchung wird es uns hoffentlich ermöglichen, den Urtypus der Juden herauszufinden, mit welchem Maßstabe in der Hand wir die anthropologische Stellung der einzelnen Gruppen sowie ihr Verhältnis zum Ganzen werden leicht beurteilen können. Das Verdienst, eine solche Untersuchung angeregt zu haben, wird meine beste Belohnung sein.4* Seitdem warte ich vergebens auf eine solche Belohnung und mein Wunsch nach einer anthropologischen Untersuchung der außereuropäischen Juden ist eben Wunsch geblieben. Wie nötig aber wir solche Untersuchungen haben, glaube ich weiter unten zu zeigen. Es sind zwar während dieses Decenniums mehrere Arbeiten erschienen, die sich speziell mit der Anthropologie der Juden beschäftigen, darunter aber nur eine, die den sephardischen Juden gewidmet ist, und so glaube ich mich berechtigt, meinen Wunsch um so dringlicher zu wiederholen.

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