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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1905-03-01 · Heft 3 (März 1905) · p. Seite 13

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1905)
Issue
Heft 3 (März 1905)
Article
Statistik und Judenfrage
Date
1905-03-01
Page
Seite 13 (sequence 3)
Language
German
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— 13 — doch nur einen Teil eines viel größeren, allgemeinerenProblems bildet, des Problems nämlich: Wie verhalten sich verschiedene Bevölkerungselemente zu einander, verschieden nach Konfession, Sprache, Sitte, Ursprung, Recht, Wohlstand oder der wirtschaftlichen Entwickelungsstufe, die sie erreicht haben? Kürzer ausgedrückt: Wie verhalten sich verschiedene heterogene Bevölkerungselemente zu einander? Findet eine Verschmelzung, Aufsaugung., Ueberwältigung, Assimilation, Separation statt? Eine Anziehung oder eine Abstoßung? Denn dasjenige, was den Kern der Judenfrage ausmacht, das Nebeneinanderbestehen mehr oder weniger heterogener Bevölkerungselemente in den modernen Kulturstaaten, das findet man zu allen Zeiten bei allen Völkern.1) Die Juden handeln also nicht nur im eigenen Interesse, wenn, sie an der wissenschaftlichen Lösung der Judenfrage arbeiten, sondern sie erwerben sich dadurch auch ein allgemeines wissenschaftliches Verdienst. Die Bestrebungen zur Aufmachung einer Statistik der Juden können aber auch eminent praktisch wirken, wenn das hierbei gesammelte und bearbeitete Material den Praktikern zur Verfügung gestellt wird. Zunächst werden die zahlreichen philantropischen Institutionen zur Erleichterung der materiellen Lage bedrückter Juden es freudigst begrüßen, wenn sie eine Stelle wissen, wo die Kenntnis der Zustände, zu deren Besserung sie sich zusammengetan haben, gewissermaßen berufsmäßig und in spezialisierter Arbeit aufgespeichert wird. Namentlich die kolonisatorischen Pläne und Unternehmungen zur Ueberführung der östlichen Juden in Gebiete, wo ihnen günstigere wirtschaftliche Bedingungen zur Seite stehen, bedürfen notwendig des Stützpunktes statistischer Kenntnisse, denn ohne diese fährt man beständig mit der Stange im Nebel herum. Aber auch die hohe Politik, die Bureaukratie und Selbstverwaltung — diese Potenzen müssen durch das Medium zuverlässiger Zahlenreihen *) Ich verweise, um ein recht eklat .ntes Beispiel zu nennen, auf die Schwierigkeiten, mit denen die Norddeutschen in ßüdbaycrn noch immer zu kämpfen haben, wenn sie sich der bayerischen Bevölkerung assimilieren wollen. hindurchgeführt werden, um zu einem richtigeren Urteil über die Bedeutung des jüdischen Bestandteils der Bevölkerung in der Gegenwart zu gelangen. Endlich werden auch diejenigen jüdischen Schutzverbände, die sich die Verteidigung der mühsam errungenen Gleichberechtigung, die Erhaltung derselben, wo sie gefährdet erscheint, als Ziel gesteckt haben, in einer ausführlichen Statistik der Juden ein notwendiges und brauchbares Hülfsmittel zur Erfüllung ihrer Aufgaben erkennen.1) Eine derartige Scheidung zwischen den Organisationen und Elementen, welche die Statistik; schaffen, produzieren, und denjenigen, die sie be-! nützen, konsumieren, ist keine bloße Theorie, sondern in der statistischen Verwaltung aller modernen Kulturstaaten tatsächlich verwirklicht. Die statistischen Bureaux begnügen sich mit der Herstellung der Statistik, die Ausbeutung derselben zu praktischen Zwecken überlassen sie den Beteiligten, den Politikern; den Parteien, der Presse. Das Material, das die statistischen Bureaux veröffentlichen, steht durch das Verbreitungsmittel des Druckes allen Interessenten zur Verfügung. "Wünscht ein Gelehrter, ein Beamter, ein Politiker, ein Philanthrop in den Akten eines statistischen Bureaus gesammelte, aber noch nicht veröffentlichte statistische Daten zu benützen, so bedarf er einer besonderen Bewilligung, die — meines Wissens — ohne erhebliche Gegengründe nicht versagt zu werden pflegt. Ebenso | könnte es das Bureau für Statistik der Juden! machen. Es dürfte sich nicht damit begnügen,! einschlägige Arbeiten zu publizieren, sondern j sollte Interessenten, welche statistischer Daten j bedürfen, mit Auskünften und Ratschlägen an! die Hand gehen.! I Gerade aus dem Grunde, weil die Statistik j - I praktisch eine solche Vielseitigkeit an den Tag legt, hat man sie zuweilen arg verlästert und verkannt. Ja, man hat sie eine Dirne genannt, weil sie jedermann zu willen ist, weil sie jeder-!) Wenn vor ein paar Jahren, als der bekannte Antrag Heim im bayerischen Landtag zur Diskussien stand, eine Zusammenstellung darüber zur Hand gewesen wäre, wie sich die bayerischen Staatsbeamten auf die verschiedenen Konfessionen verteilen, so wäre es den Gegnern dieses Antrags leichter genilien. ihm emi sprechend entgegenzutreten.

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