Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1905)
- Article
- Die Kriminalität der Christen und Juden in Deutschland 1899 - 1902
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 3)
- Language
- German
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- 8 — haben viel mehr Kinder (strafunmündige Personen) unter sich als die Juden. Infolgedessen wird der Quotient, der die auf Christen und Juden prozentual entfallenden Delikte anzeigt, für die Christen kleiner, für die Juden größer, als es der Fall wäre, wenn die Zahl der Delikte, wie es richtigerweise geschehen müßte, nur durch die Zahl der "wirklich vorhandenen strafmündigen Juden oder Christen dividiert würde. Die hierdurch bedingte Verschiebung ist durchaus nicht unerheblich; auf Grund der Ergebnisse in einigen deutschen Großstädten (z. B. Berlin und Hamburg), wro die Altersgliederung für Christen und Juden getrennt ermittelt ist, muß angenommen werden, daß unter den Juden nur etwa 23 °/o unter 12 Jahre alt sind, während es unter der Gesamtbevölkerung nach der Volkszählung von 1900 28,63 % sind. Es folgt hieraus, daß die Verhältniszahlen in der vorstehenden Tabelle, welche angeben, wieviel Delikte jeder Art auf 100 000 Christen oder Juden entfallen, durchweg für die Juden um etwa 5 % zu hoch, d. h. zu ungünstig sind. Dies muß bei allen folgenden Bemerkungen, welche diese Korrektur außer Acht lassen, berücksichtigt wrerden. Die Tabelle ergiebt, daß im Durchschnitt der 4 Jahre 1899—1902 durchschnittlich jährlich 479 552 Christen und 4628 Juden verurteilt worden sind. Sonach entfallen auf je 100 000 Christen 860, auf je 100 000 Juden 788,7 Verurteilte. Bringt man die Delikte, wie es die amtliche Statistik tut, unter 4 Hauptgruppen, so kommen in Gruppe I (Verbr. und Vergehen gegen Staat, öffentl. Ordnung und Religion) auf 100 000 Christen 136,4, auf 100 000 Juden 221,7 Verurteilte, Gruppe II (Verbr. und Vergehen gegen die Person) auf 100 000 Christen 373,1, auf 100 000 Juden 265,5 Verurteilt. Gruppe III (Verbr. und Vergehen gegen das Vermögen) auf 100000 Christen348,1, auf 100 000 Juden 299,1 Verurteilte. Gruppe IV (Verbr. und Vergehen im Amte) auf 100 000 Christen 2,4, auf 100 000 Juden 2,4 Verurteilte. Eine Vergleichung der einzelnen Delikte ergiebt einen größeren Anteil der Christen bei folgenden Delikten (die Delikte sind in absteigender Reihenfolge nach dem Grade des Ueberwiegens der Christen geordnet): Jagd- und Fischereivergehen: Sachbeschädigung; Raub und räuberische Erpressung; Mord, Totschlag, Kindesmord, Aussetzung; Widerstand gegen die Staatsgewalt; gemeingefährl.Verbrechen (Brandstiftg, u.s.w.); Diebstahl; Körperverletzung: fahrlässige Tötung; Verbr. und Vergehen wider die persönliche Freiheit; Hochverrat, Landesverrat, Maj estätsbeleidigung; Hausfrie densbruch; Arrestbruch; widernatürl. Unzucht; Begünstigung; Notzucht, Unzucht mit Gewalt, an Kindern; Hehlerei: Unterschlagung; Vergiftung; Blutschande; dagegen einen größeren Anteil der Juden an folgenden Delikten (ebenfalls in absteigender Reihe geordnet): Einfacher Bankrott; Wucher; Vergehen inbezug auf das geistige Eigentum; Zuwiderhandlungen gegen das Gesetz über die Sonntagsruhe und den Ladenschluß; betrüglicher Bankrott; andere Konkursvergehen; Verletzung der Vorschriften gegen Viehseuchengefahr; Herstellung und Feilhalten gesundheitsschädlicher Nahrungsmittel; strafbarer Eigennutz (Beseitigung von Vermögensstücken bei drohender Zwangsvollstr. u.s.w.); Verbreitung unzüchtiger Schriften; Zweikampf: Untreue und Pflichtwidrigkeiten des Vorstandes einer x\kt.-Ges.; Verletzung der Wehrpflicht; Zuwiderhandlungen gegen die Gewerbeordnung; Urkundenfälschung; Vergehen, welche sich auf die Religion beziehen; andere Verbr. und Vergehen gegen die öffentliche Ordnung; Betrug; Erpressung; Verfälschung von Nahrungs- und Genußmitteln; Verletzung der Eidespflicht (auschl. Meineid); Beleidigung; falsche Anschuldigung; Kuppelei, Zuhälterei; Meineid; sonstige Verbr. und Vergehen gegen die Sittlichkeit; Abtreibung; während bei Münzverbrechen und Vergehen, bei den Verbrechen und Vergehen inbezng auf den Personenstand, bei den Verbrechen und Vergehen im Amte die Beteiligung von Christen und Juden die gleiche ist. Es soll an dieser Stelle nicht eine ausführliche Darlegung der Gründe für die Verschieden-