Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DER JUDISCHE WILLE ZEITSCHRIFT DES KARTELLS JÜDISCHER VERBINDUNGEN_ 4. Jahrgang Oktober/November 1936 Heft 8/9 Rudolf Reuben Strauss gefallen in Palästina Auch unser Kartell hat einen Bundesbruder verloren, der bei den gegenwärtigen Unruhen gefallen ist. Zusammen mit drei seiner Kameraden fiel Rudolf Strauss am 21. August 1936 bei Kfar Saba als Opfer eines Ueberfalls. In Deutschland geboren, begann Strauss an der Universität Berlin mit dem Studium der Rechte, in der Absicht, Rechtsanwalt zu werden. Künstlerisch und darstellerisch begabt, arbeitete er damals an einem Studio junger Schauspieler mit. Die Aenderung der Verhältnisse gab seinem Lebensweg eine andere Richtung. Als einer der ersten verließ er die Universität und ging zur Hachscharah, (Riga) um sich für das Leben eines Landarbeiters in Palästina vorzubereiten. Strauss wanderte im Frühjahr 1935 ein und schloß sich zunächst dem Kibbuz Giwath Brenner an. Da ihm das Heimischwerden in diesem Kreise nicht gelang, verließ er den Kibbuz und übersiedelte nach Kfar Saba, um hier als freier Arbeiter zu arbeiten. Strauss war noch kein fertiger Landarbeiter, und er wußte das. Der schweren Pardessarbeit nicht gewachsen, litt er wie viele seiner Genossen unter Arbeitslosigkeit im letzten Winter und lebte unter den primitivsten Bedingungen. Bisher war es ihm nicht gelungen, einen festen Arbeitsplatz zu erringen. Da bot sich ihm eine Chance. Einen Tag vor seiner Verwundung ging er nach dem Pardess „Mescbek Haozar", weit von der Kolonie, inmitten arabi* scher Orangenpflanzungen, einem überaus gefährdeten Punkte, um dort zu arbeiten. Dort nun fand er einen festen Arbeitsplatz und kehrte zum Schabath in die Kolonie zurück, um seine Sachen abzuholen. In diesem Augenblick traf ihn die tödliche Kugel aus dem Hinterhalt. Nicht viele unserer Bundesbrüder dürften den stillen Jungen gekannt haben. Auch im Kreise der jüdischen Arbeiter am Orte hatte er noch' keinen Anschluß gefunden und lebte als ein Eingänger unter ihnen. Aber der jüdischen Arbeit war er treu ergeben und bemühte sich mit allen Kräften ihr zu dienen. Treu seinem Ziele ging er freiwillig an den Ort der Gefahr. Es war ihm nicht vergönnt, für die Sache der Gerechtigkeit zu leben, und so fiel er als 23 jähriger für sein Land und sein Volk. Kurt Burg, Kfar Saba. 217