Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 6-7 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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Calvary ist von orthodoxer Herkunft. Naturerlebnis und Erlebnis des klassischen Altertums befreiten ihn von dieser Einengung und führten ihn zunächst in eine etwas unbestimmte Weite. Wenn er in dieser Weite sich nicht selbst verlor, so hat er das einmal dem ihm eingeborenen pädagogischen Triebe zu danken. Wissenschaft, Kunst, Reisen, Umgang mit Menschen wurden ihm nie zum bloßen Genüsse; der Genuß mußte stets Früchte tragen: er sammelte ein, um weitergeben zu können an die Jugend, der er Lehrer und noch mehr Erzieher war. Das zweite, was der Persönlichkeit Form und Schwerpunkt gab, war der Zionismus, der ihm lange genug bekannt war, zu dem er aber, unter Kämpfen, später kam als mancher Jüngere. Zwischen der Aufgabe, ein Lehrer deutscher Jugend zu sein — damals! —, und dem Bekenntnis zum nationalen Judentum und seinen Konsequenzen ein Gleichgewicht herzustellen, mag schwer genug, vielleicht sogar unmöglich gewesen sein. Aber der Konflikt wurde in Moses Calvary fruchtbar. Was er damals publizierte, behandelte das Problem Deutschtum und Judentum, und wirkte nachdrücklich, weil es nicht nur durchdacht, sondern auch erlebt war. Was Calvary für sich anstrebte und für alle, die ihn als Lehrer und Anreger schätzten, war ein jüdischer Humanismus, genährt mit den besten Stoffen des Judentums und Europas. Ein nie veraltendes Programm! Wir wünschen, daß Calvary für sich und uns daran weiterarbeiten möge, wenn auch die Strömungen der unmittelbaren Gegenwart nach anderen Richtungen fließen. Es gibt Lebens- und Bildungsziele, die nie aktuell sind und gerade deshalb nie veralten. Moses Calvary ist von der Natur dazu bestimmt, solchen Zielen nachzustreben. Möge er seiner Bestimmung treu bleiben! . . Erich Cohn, Jerusalem. Bericht über den a. o. Kartelltag vom 18. Juni Der außerordentliche Kartelltag wurde von Bbr. Kurt Tuchler eröffnet. In das Kartelltagspräsidium wurden Bbr. Kurt Tuchler und Bbr. Walter Katschke gewählt. Auf Antrag von Bbr. Felix Jacobsohn, der dem abtretenden Präsidium für seine bisherige Tätigkeit im Namen aller Delegierten dankte, wurde dem bisherigen Präsidium Decharge erteilt. Die Neuwahl des Präsidiums hatte folgendes Ergebnis: Präside wurde: Bbr. Conrad Kaiser, Vizepräside: Bbr. Georg Hirsch. Als weitere Präsidiumsmitglieder wurden gewählt: Bbr. Bbr. Ernst Gotthelf, Maurice Hirschfeld, Walter Katschke, Hans Klee, Manfred Rosenthal, Breslau. Sämtliche Wahlen erfolgten einstimmig. 204