Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 6-7 (Juli 1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- – (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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gemäß von einer jüdischen Gesellschaft mit ihren besonderen Aufgaben und Menschen, die ohne Kapital in die Länder der Siedlung kommen, zur Anwendung gebracht werden müssen. Im großen und ganzen ist Gegenstand der Untersuchung die geschäftliche Unternehmung des Kolonisators, und es werden hier mit Klarheit und Eindringlichkeit die beiden Komponenten zur Darstellung gebracht, auf denen diese Siedlung beruht, nämlich der kolonisatorische Erfolg in Form des geschäftlichen Profits, daneben aber, und nicht minder wichtig, die ethische Aufgabe des Kolonisators gegenüber den ihm anvertrauten Menschen, ihrer Zukunft und ihren sozialen, gemeinschaftsbildenden Tendenzen. Der Maßstab, der hierbei auch an die Persönlichkeit des angesiedelten Landwirtes angelegt wird, kann als vorbildlich auch für den jüdischen Bauern gelten, von dem wir erwarten, daß er in einem neuen Milieu neue jüdische Kräfte z'ir Entfaltung bringen soll. Hans Klee. H. Frumfcin: „Krise in Palästina" Tatsachen und Perspektiven der Palästina-Wirtschaft« Hechaluz-Verlag, 1936. Den Veröffentlichungen des Hechaluz-Verlages hat unsere Aufmerksamkeit zu gehören, sind sie doch bestimmt, unserer chaluzischen Jugend die Probleme des Landes nahezubringen, wie sie von führenden Köpfen — hauptsächlich der Histadrut — drüben gesehen werden. So sind sie ein nicht unwesentlicher Beitrag zur zionistischen Diskussion in Deutschland. Frumkin ist wohl der Wirtschaftsfachmann der Histadrut. Seine Ausführungen haben der letzten Moeza vorgelegen und ihre Diskussionen bestimmt. Frumkin glaubt nicht an die Wirtschaftskrise, weist auf die zahlreichen, noch unausgenutzten Möglichkeiten der Palästinawirtschaft hin. — Bemerkenswert ist unter den von ihm angeführten Tatsachen das Absinken der Zahlen in der landwirtschaftlichen Arbeit, nämlich von 16,1% 1931 auf 13,5% Anfang 1936, wobei die abhängigen Personen (Frauen und Kinder) mitgezählt sind; in der landwirtschaftlichen Lohnarbeit gibt er als entsprechende Zahlen 16,3% und 6,5 bis 7,5% an (die Zahlen für 1936'beruhen vielfach auf Schätzung). Die Lohnarbeit in den Kolonien nahm höchstens um 1500 Menschen zu! Schuld ist hier die Bevorzugung der billigeren arabischen Arbeit durch die Kolonisten, aber wir können doch wohl unsere Augen nicht davor verschließen, daß es der Erziehung von Histadrut und Hechaluz nicht gelungen ist, die Verbindung des jüdischen Arbeiters zur Landwirtschaft zu festigen und ihn von der Stadtflucht, zum Bau- und Transportwesen (weniger zur Industrie, wo die Zahlen 24,5% und 23,9% heißen) abzuhalten. Betrüblich ist ferner die erschreckend geringe Anzahl der Verheirateten in der Histadrut, 20 000 bei 85 000 Arbeiterfrauen (Arbeitern und Arbeiterinnen!). Dies ist eine ernste Drohung für unsere Bevölkerungsentwicklung. — Die Zahl der Mitglieder der Histadrut ist in den Städten auch prozentual gestiegen (von 56,9% auf 68,1%), während sie in den Kolonien und Arbeiterwirtschaften um 4,7% bzw. 6,4% absank. Ueber die Zahlen in der Regierungsaibeit ist schon viel geschrieben worden auch über die geringen Ausgaben der Regierung für jüdische Zwecke gegenüber ihren hohen Einnahmen. Hier interessieren noch die Zahlen für den Warenimport, der von 2,5 auf 8 Mill. pal. £ in 4 Jahren gestiegen ist, wobei auch im Lande herstellbare Produkte gezählt sind. Dieser stetigen Schrumpfungsgefahr des jüdischen Volksvermögens, die heute noch durch 201