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Der jüdische Wille · 1936-03-01 · Heft 3 (März 1936) · page 5

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 3 (März 1936)
Date
1936-03-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Der Künstler und Dichter muß vor allem ein jüdischer Mensch geworden sein und sich in den Kreis des jüdischen Schicksals bewußt einbezogen fühlen, ehe er imstande ist, das jüdische Kunstwerk zu schaffen. Die Wandlung kann sich nur durch die restlose Umformung seines ganzen Denkens, Fühlens und Lebens vollziehen. Qer jüdische Künstler muß politisch geworden fifti'n1 gr miiR aus dem engen Kreis seines privaten Daseins in die Wetter jüdischen Geschehens dieser Zeit herausgetreten sein, er muß die Gegenwart begriffen, sie als die logische Folge der Vergangenheit erkannt haben und der Zukunft in nationaler jüdischer Gläubigkeit entgegengehen. Das allein sind die Voraussetzungen. Nur dieser Mensch wird das wirklich jüdische Kunstwerk schaffen können, die Dichtung, die von lebendiger jüdischer Gesinnung durchpulst ist und für das jüdische Leben zeugt. Nur so wird von den Künstlern ein Strom der Kraft und des Trostes auf die jüdischen Massen ausgehen können. III. Die zionistische Bewegung besitzt als einzige die Kraft, unsere jüdischen Menschen wirklich zu erneuern. Sie muß auch die Schaffenden erneuern und sie in u n s e r m Sinne wieder produktiv machen. Dazu ist eine Aufrüttelung notwendig, die nicht von der politischen Versammlung und nicht von einem Arbeitskreis ausgehen kann. Dazu ist eine zionistische Atmosphäre notwendig, die unser gesamtes jüdisches Leben in Deutschland zu durchdringen hat. Volksdichtung und Volkskunst — wollen wir im Grunde denn etwas anderes? — setzt einen nationalen Lebensstil voraus. Ist das Leben der deutschen Judenheit erst ein Teil des Lebens des jüdischen Volkes geworden, also von innen her auf eine völlig neue Ebene getragen, dann wird, naturbedingt, Kunst und Dichtung den Impuls erhalten, den sie brauchen, um jüdisch zu sein und jüdisch zu wirken. Die Vorbedingungen hierfür zu schaffen, ist Aufgabe der ZVfD und wahrlich nicht ihre kleinste. Der 25. Delegiertentag hat den Weg in diese Richtung gewiesen. Sorgen wir dafür, daß er zielbewußt beschritten wird. Feste Grundlagen Von Bbr. Georg Wunderlich - Oppeln. Alles fließt — ein uralter Satz — und dennoch der kürzeste Ausdruck für die geistige Einstellung insbesondere des 19. Jahrhunderts. Er enthält gewissermaßen die Quintessenz der relativistischen Weltanschauung. Das Judentum aber hat eine absolute Grundlage: die Idee der Offenbarung, mag sie auch der Einzelne nicht bibelgemäß, sondern mehr oder minder geistig auffassen. Eine Erscheinungsform des Relativismus war insbesondere der Rationalismus, der seit dem 18. Jahrhundert dllmählich sich zur herrschenden Lehre, insbesondere im Gegensatz zur Kirche in den Kreisen der geistig Schaffenden entwickelt hat, die Emanzipation der Juden. Kein Wunder, daß zum mindesten in Deutschland die Juden ganz besonders Verteidiger der rationalistischen Anschauungen wurden, die schließlich zur materialistischen Geschichtsauffassung des Sozialismus führten. Nach einem alten Talmud-Worte legt Gott jeder Krankheit auch gleich das Heilmittel zur Genesung bei. In der Zeit der höchsten Entwicklung des Materialismus wuchsen zuerst auch wieder Keime einer irrationellen Auf- 67

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