Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2827066-3186705-3186706--1146-3187213- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
anderen wichtigen, mit der Palästinawanderung zusammenhängenden Materien. Das Palästina-Amt und seine 22 Zweigstellen sind eine sehr bedeutsame Leistung der Zionistischen Organisation in Deutschland, der noch viele Mängel anhaften, und die in beträchtlichem Maße ausbaufähig ist. Ich sprach bisher von dem deutschen Judentum wie von einem in sich geschlossen ruhendem Volkskörper. Wir wissen, das deutsche Judentum ist in stürmischer Bewegung. Durch Existenzverlust und Auswanderung wird es rasch reduziert. Wir sehen, daß das, was auswanderungsfähig im deutschen Judentum ist, in weit kürzerer Zeit Deutschland verlassen wird, als wir noch vor einigen Monaten annahmen. Es spielt sich innerhalb des deutschen Judentums ein tragischer Kampf ab zwischen den Kräften des Verfalls und denen der Rettung. In den letzten Monaten ist besonders viel Substanz den Juden verloren gegangen. Wir sehen ein Wettrennen zwischen den Kräften der Auflösung und denen des zionistischen Aufbaus. Die Zeit ist kostbar und muß genützt werden. Das bedeutet eine fortschreitende Intensivierung unserer Arbeit. Wir waren schon im letzten Jahre in ständiger zionistischer Aktion. Eine Aktion schloß sich fast pausenlos der anderen an. Die Fonds haben in diesem Wettrennen ihre Kräfte besonders anzuspannen. Sie haben mit der Konkurrenz der Jüdischen Winterhilfe zu rechnen, die sehr großen Erfolg hat. Diese gewiß notwendige und unentbehrliche Sammlung hat schlechte Nebenwirkungen. Die deutschen Juden, die wir in langer Arbeit zum Gedanken der produktiven nationalen Selbsthilfe erzogen haben, erleben freudig einen Rückfall in die bloß charitative kurzfristige Hilfe. Vor uns liegt also eine permanente zionistische Aktion auf allen Gebieten, auf dem jüdischen Gebiete, dem jüdischer Schule und Erwachsenenbildung, auf dem Gebiete der Fondsarbeit und in vielen anderen Zweigen. Ich will hier an alle KJVer, die es in Deutschland noch gibt, appellieren, in diese Arbeit hineinzugehen. Ich glaube nicht daß wir in der Debatte eine Art Abrechnung untereinander halten sollen, ob die KJVer alle zur zionistischen Arbeit bereit waren oder ob man sie zurückgewiesen hat. Wir brauchen jeden Menschen und weisen keinen Geeigneten zurück. Zum Schluß will ich von einer Szene berichten, die sich abspielte, als sich vor einigen Wochen unser Kartellpräside Salli Hirsch verabschiedete. Es traten da Abschiedsredner auf, die in ihren Ansprachen immer wieder erklärten, wie sehr sie ihn beneiden, daß er jetzt den Weg der Allijah gehen kann, und Salli Hirsch erwiderte diesen Rednern, er beneide uns, die wir noch hier bleiben und an dieser großen Aufgabe, der er sich mit Hingebung und Freude gewidmet habe, noch mitarbeiten könnten. Er sprach damit aus, was viele von uns bewegt. Wir alle, die wir in dieser schweren und aufreibenden Arbeit stehen, leisten sie nicht nur deshalb, weil uns diese Pflicht obliegt, sondern weil sie uns wirklich Freude macht. Wir wissen, an welcher bedeutungsvollen Stelle der gesamten Judenheit wir stehen, wir wissen, welche geschichtlichen Aufgaben wir in dieser Entwicklung zu erfüllen haben und wir legen uns immer wieder Rechenschaft davon ab, ob wir der Situation wirklich gerecht geworden sind. Generaldebatte. Martin Exiners Nicht nur, weil ich der erste Diskussionsredner bin, sondern aus innerem Bedürfnis möchte ich Salli Hirsch und Tuchler meinen Dank aussprechen für die Aufrechterhaltung des KJV, die es uns ermöglicht, daß wir uns heute über künftige Aufgaben des KJV unterhalten können. Mit Recht ist von der 20