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Der jüdische Wille · 1935-11-01 · Heft 7 (November 1935) · page 4

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 7 (November 1935)
Date
1935-11-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Bericht des Präsidiums Ein Rückblick auf die Zeit seit dem letzten ordentlichen Kartelltag im Februar 1934 zeigt das stürmische Tempo, in dem sich die Judenfrage in Deutschland seit damals entwickelt hat. Damals im Februar 1934 waren zwar die aktiven Verbindungen aufgelöst und ein großer Teil des jungen Kartells bereits entweder in Palästina oder im Aufbruch. Es gab aber damals doch noch eine größere Anzahl jüngerer KJVer, Man konnte damals noch an eine Nachwuchsbewegung für das KJV denken und hatte dabei insbesondere die Jugendgruppen der Zionistischen Organisation im Auge. Damals ging man weiter noch davon aus, daß die Altherrenorganisationen in ihrer Struktur unberührt bleiben würden, daß es gelingen würde, die Altherrenorganisationen zu Zentren zionistischer Arbeit und auch für jüngere Zionisten attraktiv zu machen. Heute, nach etwa 1% Jahren, stehen wir vor einer anderen verschärften Situation des Judentums in Deutschland und müssen danach auch die Lage im KJV anders beurteilen. Schon rein zahlenmäßig hat sich der Bestand wesentlich verringert. Von rund 1000 KJVern, die zur Zeit des letzten Kartelltages noch in Deutschland waren, sind 250 ausgewandert. Diese rein quantitative Darstellung läßt aber die ganze Schärfe der Veränderung nicht mit genügender Deutlichkeit erkennen. Ausgewandert sind vor allen Dingen die jüngeren KJVer. Von den Verbliebenen ist ein großer Teil aus dem Berufsleben geworfen und sucht krampfhaft unter großer Anstrengung und Entbehrung das eigene Leben und das der Familie zu fristen. Eine weitere nicht unerhebliche Zahl trägt die Last der zionistischen Arbeit in Deutschland, und kommt für die eigentliche KJV-Arbeit nicht in Frage. Die Hoffnung, daß etwa neue Kreise in das KJV hineinwachsen würden, hat sich nicht erfüllt. Zwar liegen dem Präsidium von Zeit zu Zeit Aufnahmegesuche vor. Es besteht aber häufig der Verdacht, daß diese Aufnahmegesuche auf äußere Motive zurückgehen, weil man sich in manchen Kreisen offenbar auch jetzt noch von der Zugehörigkeit zum KJV Vorteile, insbesondere im Hinblick auf eine Alijah verspricht. Der r^art eiltag wird zu der Frage der Neuaufnahmen prinzipiell Stellung zu nehmen haben. Im allgemeinen aber ist der Aufschwung, den das zionistische Leben in Deutschland genommen hat, dem KJV nicht zugute gekommen. Selbstverständlich gibt es in Deutschland keine jüdischen Studenten in nennenswerter Zahl, die etwa eine Nachwuchsbewegung des KJV hätten abgeben können, aber auch die zahlreichen Neuzionisten, die in die Ortsgruppen geströmt und die ausgewanderten Zionisten zahlenmäßig mehr als ersetzt haben, stellen im allgemeinen nicht ein Material dar, aus dem die Bezirksverbände und sonstige Altherrenorganisationen des KJV sich ergänzen könnten. Die soziale Struktur der zionistischen Organisation in Deutschland hat sich in den letzten Jahren radikal geändert. Früher eine Elitetruppe mit stark intellektuellem Einschlag, eine Offiziersschule ohne große Armee, ist die zionistische Organisation in Deutschland heute wirklich eine Volksbewegung geworden, eine starke Armee ohne genügend Führer. Das neue Material besteht, abgesehen von den Jugendlichen, die ja bald auf das Zertifikat lossteuern, aus mittelständischen Elementen, die vom Zionismus und von der Zionistischen Organisation eine Erleichterung ihrer materiellen und geistigen Not erwarten. Das wird ohne jede Wertung der neuen Menschen gesagt. Mann kann sogar behaupten, daß die Zionistischen Ortsgruppen noch nie so hingebungsvolle und aufnahmebereite Zionisten gehabt haben, wie jetzt. Jede größere Veranstaltung, jeder Bezirksverbandstag und jede zentrale Veranstaltung der ZVfD zeigen das lebendige 168

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