Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Heft 5-6 (Juli 1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DER JÜDISCHE WILLE ZEITSCHRIFT DES KARTELLS JÜDISCHER VERBINDUNGEN Die im J.W. abgedruckten Beiträge sind, sofern nicht ausdrücklich etwas anderes gesagt ist, als persönliche Meinungsäußerung des Verfassers anzusehen. Der »Jüdische Wille« ist nur für Mitglieder des K. J.V. bestimmt. Weitergabe an Nichtmitglieder nur mit ausdrucklicher Genehmigung des Präsidiums gestattet. 3. Jahrgang Juli/August 1935 Heft 5/6 Das religiöse Problem im Zionismus Von Bbr. A,l f r e d J o s p e. Je mehr der Zionismus aus einer politischen Bewegung zu einer wirklichen Geistesmacht wird und den ganzen jüdischen Menschen erfassen will, um so dringlicher wird er sich mit der Religion als dem zentralen Prinzip einer von jüdischem Geist geformten Kultur und als der gestaltenden Kraft der jüdischen Geschichte auseinandersetzen müssen. Obgleich der Zionismus an sich zur Religion nicht Stellung nimmt und alle religiösen Richtungen in ihm Platz haben, weil ihm die religiöse Haltung seiner Menschen Privatangelegenheit ist, wird doch die Entscheidung über die Stellung des Zionismus zur Religion eine der wesentlichsten Entscheidungen sein, die im Zionismus zu fallen haben, da sich Religion und Volk grundsätzlich nicht in der Weise trennen lassen, wie es der Zionismus als politische Bewegung zu tun versucht hat. Das Judentum ist eine synthetische Größe. Der partikulare Volksgedanke ist in ihm mit dem Totalitätsanspruch der universalen Weltreligion zu charakteristischer Einheit verschmolzen. Das ist die Paradoxie des Judentums: es ist nationale Gemeinschaft mit universaler Tendenz. Das Volk ist theopolitisch, und sein Staatsgesetz ist metaphysisch fundiert. Diese Synthese von religiösen und nationalen Elementen zeigt sich in allen Erzeugnissen des jüdischen Genius. Es ist unmöglich, aus der geschichtlichen Religion den nationalen Charakter auszuschalten. Er zeigt sich in den großen Gestalten unserer Geschichte und unseres Mythos. Wir kennen Moses. Wir lesen von den Propheten. Wir kennen die Mächtigkeit ihrer religiösen Glut, „wie ein Feuer, eingesperrt in ihrem Gebein." Sie fühlen sich gerufen, und sie fühlen sich berufen. Sie sind verzehrt von der Glut ihrer religiösen Idee. Aber zugleich sind sie kraftvolle und oftmals sehr erfolgreiche Führer ihres Volkes. 127