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Der jüdische Wille · 1935-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1935) · page 7

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
3 (1935)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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hatte man nie das Gefühl so starken Bündnisses, und wenn Alfred Hirschberg oder Herzfeld-Essen in der C.-V.-Zeitung heute neu die ideenmäßigen deutschjüdischen Grundlagen des Centralverereins feststellen, so sprediensie nur wieder Dinge aus, die immer latent vorhanden waren und vorhanden bleiben müssen, wenn der C.-V der „Centraiverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" bleiben will. Unsere politische Leitung hatte gemeint, daß bereits aus ihm mehr oder weniger eine Gruppe der Jewish Agency, wenn nicht noch mehr, geworden sei, — Wir Zionisten sind gelegentlich auch sonst Zweckgemeinschaften zur Erreichung jüdisch-politischer Ziele eingegangen, wenn es sich etwa darum handelte, Forderungen der Hebraisierung der Jugendarbeit, der Schule, des Wahlrechts in den Gemeinden durchzusetzen. Aber nie ist man bei diesen Bündnissen so weit gegangen, wie das hier der Fall war; man blieb sich der Gegensätze immer sehr deutlich bewußt und der Kampf der Weltanschauungen ging weiter, gleichviel ob er sich äußerlich als ein Ringen in Verhandlungen oder als ein Wahlkampf darstellte. Trotzdem wurde dabei Außerordentliches erreicht, und niemand wird die jüdischen Gemeinden von 1914 mit den heutigen an jüdischer Leistung und Gesinnung vergleichen können. Damit kommen wir aber schon zum Letzten und Entscheidenden. Aus dem Kräftespiel der Organisationen und ihren zeitbedingten Bündnissen ist eine neue Form der jüdischen Gemeinschaftsarbeit in Deutschland geboren worden, die sich organisatorisch in der Schaffung der Reichsvertretung der Deutschen Juden und des Zentralausschusses für Hilfe und Ausbau ausdrückt. Ihre Gründung erfolgte, „um die positiven und konstruktiven Kräfte des deutschen Judentums zusammenzufassen". Man sprach damals von einer „Revolutionierung" im deutschen Judentum. Mir will scheinen, daß dieser Ausdruck fehl am Platze ist. Revolution ist immer dann, wenn Massen sich ein ihnen vorenthaltenes Recht im Kampfe erringen. Was hier geschehen ist, ist nichts anderes als die Wiedereinrichtung dessen, was wir früher Notabeinpolitik nannten und als solche bekämpften. Wenn bei der Bekundung eine Reihe von Persönlichkeiten, jede sicherlich tüchtig, die meisten aber in der allgemeinen jüdischen Arbeit wenig bekannt, jedenfalls als Gruppe niemandem verantwortlich auf Grund einer Art Palastrevolution — die ungefähr das Gegenteil einer Revolution darstellt — unter Ausschaltung der legitimen Träger der jüdischen Arbeit in Deutschland, nämlich der jüdischen Gemeinden die Aufgaben übernehmen wollten, so waren sie von ihrem Standpunkt aus vielleicht dazu berechtigt. Ich kenne wenigstens vom Standpunkt des RJF. oder des C.-V. keine ideologischen Hemmnisse. Man hätte jedoch glauben dürfen, daß die zionistische Organisation auf Grund ihrer feststehenden Auffassung vom Wesen der jüdischen Gemeinde sich gegen eine solche Entwicklung stemmen müsse. Das war aber nicht der Fall. Sie unterstützte die neuen Tendenzen, die organisatorischen und z. T. auch wirtschaftlichen Bedürfnisse der Großorganisationen, wie sie sich aus der Ausweitung der ihnen nun zugewiesenen Aufgaben ergab, entgegenkam, und nimmt heute eine positive Haltung der Mitarbeit in den neuen Instanzen ein. Diese Etwicklung steht zu dem, was der Zionismus seit je als Diasporaarbeit gefordert hat, in unverkennbarem Widerspruch. Für uns waren stets diel Jüdischen Gemeinden in der Welt die historischen Träger unserer nationalen Autonomie, die Garanten unserer nationalen Existenz in den Ländern der Zerstreuung« Gemeinden sind so alt wie das jüdische Leben in der Zerstreuung überhaupt. Sie sind die überzeitlichen Organisationsformen, die sich unser Volk geschaffen hat, um in der Diaspora sein eigenes Leben aufrechterhalten| und gestalten zu können. Wer die Geschichte des jüdischen Volkes in irgend- ' 7

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