Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 5 (November 1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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An alle Bundesbrüder! Die Vorgänge auf dem letzten Kartelltag in Palästina am 3. und 4. August 1934, die zu dem Austritt einer erheblichen Zahl von Bundesbrüdern geführt haben, haben im deutschen Kartell einen lebhaften Widerhall gefunden. Wir sind mit Zuschriften von Gruppen und Einzelnen bestürmt worden. Einzelne Altherrenbünde haben bereits zu den Vorgängen Stellung genommen. Wir halten esf bevor wir endgültig Stellung nehmen, für zweckmäßig, einen größeren Kreis von Bundesbrüdern in persönlicher Aussprache zu unterrichten und ihre Meinung zu hören. Die Abhaltung eines Kartelltages, der turnusmäßig erst im Frühjahr 1935 wieder fällig ist, halten wir im gegenwärtigen Augenblick nicht für erforderlich, gerade auch deshalb, um in der Zwischenzeit eine weitere Klärung herbeizuführen. Aber wir laden die Bundesbrüder zu einer Aussprache für Sonnabend, den 17. abends, und Sonntag, den 18. November, nach Berlin ein, zu der wir insbesondere auch Bundesbrüder aus dem Reiche in möglichst großer Zahl erwarten, und unterbreiten ihnen nachstehend das Material, das uns über den Kartelltag vorliegt, welches wir nach Möglichkeit mündlich ergänzen werden.*) Das Präsidium. Meine Linie Das Präsidium als Ganzes hat zu den Vorgängen in Palästina noch keine Stellung genommen. Es will, einem vielfachen Wunsche aus dem Kartellkreis folgend, sich zunächst mit einem größeren Kreise von Bundesbrüdern beraten. Ich glaube aber auch, kein Geheimnis zu verraten, wenn ich offen erkläre, daß die Stellungnahme der einzelnen Präsidiumsmitglieder nicht einheitlich ist. Trotzdem soll aber dieses Heft nicht ohne eine Aeußerung von Präsidiumsmitgliedern zu den Vorgängen in Palästina herausgehen, und es werden daher in diesem Hefte des Jüdischen Willen dem uns aus Palästina zugegangenen Material Aeußerungen von Tuchler und mir vorangeschickt. Meine Stellungnahme fließt aus meiner Auffassung der Aufgaben des K. J. V. hier und in Palästina. I. Als ich Frühjahr dieses Jahres das Präsidium übernahm, war ich mir über die Problematik der Aufrechterhaltung eines Kartells in Deutschland klar, einer ^Problematik, die vor allen Dingen dadurch gegeben ist, daß wir einen jugend- Michej^Nachwuchs nicht mehr haben. Es ist leicht, hieraus die Konsequenz zu 2ieE^^äß"lteS^1CäHe^, in Deutschland nicht mehr existenzberechtigt ist und daher aufgelöst werden muß. Ich habe demgegenüber den Standpunkt vertreten, daß es aus zionistischen Gründen nicht zu verantworten ist, eine zionistische Position, wie sie das Kartell durch seine Tradition und den Kreis seiner *) Dieses Heft des Jüdischen Willen geht auch denjenigen zu, die im Anschluß an den palästinensischen Kartelltag ihren Austritt aus dem Landesverband Erez Israel erklärt haben. Nachdem das hiesige Präsidium dahingehend Stellung genommen hat, daß es einen Austritt aus dem Landesverband Erez Israel ohne gleichzeitiges Ausscheiden aus dem Gesamtkartell nicht gibt, hat das Präsidium in Palästina, vom hiesigen Präsidium veranlaßt, eine Anfrage an die Ausgeschiedenen gerichtet, ob sie unter diesen Umständen ihre Austrittserklärung aufrecht erhalten. Bis zur Beantwortung dieses Schreibens befindet sich die Frage ihrer Kartellzugehörigkeit insoweit in der Schwebe« 128