Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2827066-3186699-3186703--0812-3186873- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
versäumt hat, aus dem jüdischen Volke eine politische Einheit machen. Wichtiger als die Zusammenfassung von reichen Notabein ist die Zusammenfassung der Hunderttausende in den Zentren jüdischer Massensiedlung. Dfe Jude» müssen erkennen, daß das Ziel des Zionismus und des ganzen jüdischen Volkes für die nächsten Jahrzehnte nur heißen kann: Schaffung des jüdischen Staates» Alles, was geschieht, muß unter diesem Zeichen geschehen. Zionistische Politik ist die Schaffung der Vorbedingungen, um die Bildung der jüdischen Majorität in Palästina zu erreichen. Man muß vermeiden, daß in den Augen der Welt der Zionismus in einem Atem mit sozialen Theorien genannt wird, von denen das imperialistische England glauben könnte, daß sie sich einmal gegen seinen Bestand richten könnten. Die Errichtung des jüdischen Nationalheims in Palästina beruht grundsätzlich auf dem gemeinsamen Interesse des britischen Reiches und des jüdischen Volkes. Auf diesem gemeinsamen Interesse beruht der Glaube, daß es gelingen wird, trotz aller Hindernisse, die durch den Mangel an gutem Willen seitens der Mandatsregierung und durch die politischen Fehler der zionistischen Leitung entstanden sind, das Verständnis, die Sympathien und die Unterstützung des englischen Volkes und seiner Regierung für unsere Ziele zu gewinnen. Die Ueberwindung der angehäuften politischen Hindernisse bildet eine schwere, aber lösbare Aufgabe. Der Staatszionismus wendet sich nicht gegen England, sondern a n England. Er wendet sich an England, indem er den Juden sagt: werdet eine politische Einheit, konzentriert euch auf ein Ziel. Den Engländern sagt: auf Grund unseres Rechtes auf Palästina und unserer gemeinsamen Interessen an Palästina verlangenwir eine Aenderung eurer Politik in Palästina! — und weiter sagt er den Engländern: Wir Juden wollen ein politischer Faktor werden, ein Faktor, der für euch — nicht nur vom Standpunkte Palästinas, sondern auch von dem des British Empire — interessant ist. Das ist der Weg* den der Staatszionismus den Juden und England zeigt. b) Weiter sagt der Staatszionismus: im Stadium des Aufbaues haben alle sozialen Kämpfe zu unterbleiben; es darf Klassenkampf weder von oben noch von unten geben. Andere Völker haben um die Errichtung ihres nationalen Staates gekämpft und sich während dieser Zeit nicht über Klassengegensätze zerfleischt. Im Stadium der Staatserrichtung muß Wirtschaftsfriede herrschen; Wirtschaftsfriede heißt nicht Unterdrückung der Schwachen durch die Starken, sondern Ueberwindung von Wirtschaftskonflikten durch friedlich-schiedlichen Ausgleich. In diesem Stadium müssen sich Arbeiter, Bauern, Fabrikanten und Kaufleute als Glieder einer großen Kette fühlen; wer durch Selbstsucht oder Demagogie den Wirtschaftsfrieden stört, ist ein Verbrecher an der Nation/ Friedlich-schiedlicher Ausgleich heißt nJcM Druck auf die Löhne, Verlängerung der Arbeitszeit, Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, kurzum Ausbeutung," sondern Sicherung maximaler Beschäftigungsmöglichkeiten und maximaler Kaufkraft im Rahmen maximaler Gütererzeugung. V. Das ist der bedingungslose Zionismus, den wir vertreten. Es ist dieser „monistische" Zionismus, der verlangt, daß bei allem, was geschieht, der Gedanke des Judenstaates einzig und allein maßgebend ist. Ohne Unterordnung unter eine nationale Disziplin kann kein Staat aufgebaut werden, ebensowenig aber, wenn eine einzelne zufällig im Besitze der Macht befindliche Gruppe glaubt, das Prinzip der nationalen Disziplin mißbrauchen zu können, um sich selbst ein Machtmonopol zu sichern. Das ist ein Mißbrauch, der sich sehr schnell gegen seine Urheber wendet; denn was nützt ihnen die Macht, 103