Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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beschaffen, daß sie an kühne Ganzheiten mehr glauben als an schwächliche Halbheiten. Dieser Zionismus^ der „monistisch" (Jabotinskt) ist, d. h. nur das eine Ziel hat, den Judenstaat zu errichten, ist bedingungslos; er verlangt von seinen Anhängern in ihrer täglichen Arbeit und von seiner Politik, im Gegensatz zu dem bedingten Zionismus, daß alles unterbleibt, was die Erreichung dieses Zieles gefährden oder verlangsamen könnte. Er steht daher im schroffen Gegensatz zu denen, die den Staat zwar auch zu wollen vorgeben, aber nur dann, wenn er ein ganz bestimmtes, an fremden Vorbildern geformtes Gesicht trägt. Er fordert, daß alle Handlungen und Unterlassungen wirtschaftlicher und politischer Natur nur unter einem Gesichtspunkte stehen dürfen: daß dieses Werk in möglichst kurzer Zeit geschaffen werden muß. Das Zeitmoment spielt nicht nur darum eine so große Rolle, weil die Bevölkerung Erez Israels in schnellstem Tempo steigt und der verfügbare Boden immer knapper wird, sondern auch, weil die Chance, die die Juden bekommen haben, wahrscheinlich eine einmalige und sicher für lange die letzte ist. Dieser Zionismus wird heute in Deutschland durch die Staatszionistische Organisation, in der Welt durch die verschiedenen revisionistischen Gruppierungen repräsentiert. II. Der Staatszionismus bzw. der Revisionismus sind entstanden aus der Kritik an der Leitung des offiziellen Zionismus nach dem Kriege. Er war zuerst eine reine Oppositionsgruppierung; er hat sich dann, als sich immer mehr zeigte, daß das Herzische Ziel des Judenstaates in Vergessenheit geraten würde, zu einer Bewegung entwickelt, die eine bestimmte Haltung und bestimmte Wege von ihren Anhängern verlangt, um ihr Ziel zu erreichen. Diese Kritik basiert auf den folgenden vier Punkten, wobei ich auf Dinge wie Agency, die verfehlte Fondspolitik usw. gar nicht erst eingehen will.» a) Der Staatszionismus glaubt, daß die Wirtschaftspolitik der Exekutive seit dem Kriege völlig verfehlt war. Statt Bedingungen zu schaffen, hat sie sich darauf beschränkt, Dinge hinzustellen. Der Aufbau der Siedlungen usw. erfolgte nach weltanschaulichen Grundsätzen, die mit dem Zionismus als solchem in keinem notwendigen Zusammenhange stehen. Die Kwuzoth wurden nicht unter dem Gesichtspunkt geschaffen, daß es notwendig sei, Ausbildungs¬ und Uebergangsbetriebe für eine von vornherein begrenzte Zeit zu errichten. Statt zu fragen, wie auf möglichst billige Weise in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Menschen im Lande seßhaft gemacht werden könnten, investierte die Exekutive sehr große Mittel in Siedlungsformen, die zwar die weltanschaulichen Bedürfnisse gewisser Siedlerkategorien befriedigten, die aber nichts zu tun hatten mit dem Grundsatz der Schaffung einer jüdischen Mehrheit in möglichst kurzer Zeit. b) Träger des offiziellen Zionismus haben seinen Sinn dadurch bagatellisiert und in ein falsches Licht gerückt, daß sie erklärten, es sei Sinn und Aufgabe des Zionismus, ein „geistiges" und „kulturelles" Zentrum in Palästina zu schaffen. Sie haben die von niemandem bestrittene Notwendigkeit einer geistigen Wiedergeburt verwechselt mit der wirklichen Aufgabe, die politische und wirtschaftliche Grundlage eines jüdischen Staatswesens zu schaffen, aus dem dann einmal die geistige Wiedergeburt entstehen soll, von der wir heute noch nicht wissen und auch nicht wissen können, welches ihr Inhalt und ihre Formen sein werden. Diese Wiedergeburt hat jedenfalls nichts zu tun mit den apologetischen Gedankengängen des 19. Jahrhunderts. c) In der zionistischen Bewegung sind Männer aufgetreten, die das moralische Recht des jüdischen Volkes auf Palästina untergraben haben, indem sie 100