Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Verfügung stellen oder sich ausschließlich in die große Erziehungsfront des> Hechaluz einordnen. Ich glaube, daß diese Sonderarbeit des Kartells im besten Einvernehmen mit dem Hechaluz geleistet werden könnte, da auch diesen Kreisen daran gelegen sein muß, einen solchen Bund wie das K.J.V. als wichtiges Bindeglied der nationalen Aufbauarbeit zu erhalten, (Vergl. die Rede von Kaznelson: Der Zionismus am Scheidewege). Unabhängig von dieser Entwicklung in den Hachscharahgruppen besteht aber für das K.J.V. ein ernstes Nachwuchsproblem* Selbst wenn wir nämlich annehmen, daß in Zukunft unsere Hachscharahgruppen sich der besonderen Aufgabe des K.J.V. im Rahmen der allgemeinen chaluzischen Erziehungsarbeit zur Verfügung stellen, wird es schwer halten, immer wieder neue Menschen in diese Gruppen einzugliedern und in diesem Geiste zu erziehen. Die Chance, welche es früher für diese besondere Hachscharaharbeit des K.J.V. gab, bestand darin, daß plötzlich eine Fülle von Bundesbrüdern, erzogenen Zionisten, zur Umschichtung kamen, für die es altersmäßig und menschlich gemeinsame besondere Fragen zu lösen galt. Dieser Kreis ist im wesentlichen bereits nach Palästina gegangen, und das Gros unserer Hachscharahgruppen besteht jetzt aus jüngeren Bundesbrüdern, welche nur wenige Semester K.J.V.-Erziehung hinter sich haben. Dieser Zustand wird in Zukunft sich noch immer mehr insofern verschärfen, als junge deutsche Juden im allgemeinen in einem jüngeren Alter (etwa 16 Jahren) zur Hachscharah gelangen werden, in einem Alter, in welchem wir bisher unsere Menschen noch nicht erfaßt haben. Außerdem muß in Betracht gezogen werden, daß inzwischen entscheidende Wandlungen in der zionistischen Jugend- und in der Hachscharahbewegung sich vollzogen haben. In allen zionistischen Jugendbünden hat sich naturgemäß, wie auch im K.J.V ,als erzieherische Forderung der Weg der Hachscharah und Chaluziuth eindeutig durchgesetzt. Die Differenzierungen zwischen den einzelnen Gruppen und Bünden werden heute im allgemeinen dadurch ausgeglichen, daß der Hechaluz, die große Hachscharahorganisation, zumindestens in der Hachscharaharbeit selbst, die Führung übernommen hat. Darüber hinaus haben sich die Snifim des Hechaluz, welche zahlenmäßig sicherlich bereits stärker als die gesamte zionistische Jugendbewegung in Deutschland sind, zu einem großen zionistischen Erziehungsbunde entwickelt. In ihm hat sich die Auffassung der Erziehung zur palästinensischen Arbeiterschaft, welche in der Histadruth organisiert ist, völlig durchgesetzt. Vom Hechaluz und den mit ihm zusammenarbeitenden Jugendorganisationen können alle Menschen erfaßt werden, welche früher für eine Werbearbeit des K.J.V. in Frage gekommen wären. Für eine besondere Werbearbeit des K.J.V. bleibt um so weniger Raum, als es hier in Deutschland an Bundesbrüdern fehlt, welche legitimiert sind, zur Hachscharah und in der Hachscharah zu erziehen. Es würde zu unerträglichen Zuständen führen, wollte man an junge, neugewonnene Menschen die höchsten Anforderungen zionistischer Leistung und Haltung stellen, während man bei unseren bisher erzogenen Bundesbrüdern nur mit Schwierigkeit gewisse zionistische Minimalforderungen durchsetzen kann; es kann in einer Bewegung, welch« auf menschlicher Verbundenheit beruhen soll, nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Das K.J.V. in seiner traditionellen Form könnte also in Deutschland höchstens ein Bund Alter Herren bleiben, für den es im wesentlichen nur noch die Aufgaben gemeinsamer Hilfe und der Mitarbeit an den Arbeiten der Organisation gibt. Soll die erzieherische Idee des K.J.V. in der Galuth und gerade auch in der Hachscharaharbeit eine Zukunft haben — und ich glaube daran gerade im 24