Mannheim
Compact Memory

Der Anfang · 1914-07-01 · Heft 4 (Juli 1914) · p. Seite 121

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
2. Jahr (1914)
Issue
Heft 4 (Juli 1914)
Date
1914-07-01
Page
Seite 121 (sequence 31)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2709933-3186119-3186122--633-3186688
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ob man für die Jugendbewegung eintreten sollte. In Wahrheit kämpfte eine neue Idee mit einer alten Organisation, neue Ausblicke mit „bewährten Prinzipien". Es siegten die anderen: man schloß sich dem Corda-fratres-Bund „vorläufig" nicht an; in den Reformkorporationen „sah man eine Gefahr"; und der Jugendbewegung steht man sympathisch gegenüber (mit Mißtrauen und geballten Fäusten). Die Taktik siegte. Dr. phil. Walter A. Berendsohn verhalf ihr mit seinem „studentischen Bildungsideal" zu einer Mehrheit. Als Benjamin in erschütternder Rede die Freie Studentenschaft vor die Not der moralischen Entscheidung stellte, zu bekennen, wenn sie Freundschaft fühlte — einstimmig hatte man dies beteuert, weil man taktisch war und Beteuerungen in der Diskussion andere sind als in der Resolution — damals wagte man zu sagen: die F.-St. ist zu machtlos, für die Jugend einzutreten, sie kann nicht einmal sich selbst helfen — übrigens braucht sie diese neuen Ideen nicht, denn mittler Macht ihrer Idee wird sie siegreich durchdringen. .. Benjamin und Kranold, Berlin und München, kämpften um die neue Hochschule, geboren aus dem Geist der Jugend — drüben sah man die Dinge sich an aus der Perspektive des Nachwuchses. Sich's mit keinem Verderben! Und so wird bald wieder ein Esel zwischen zwei Bündeln Heu verhungern müssen. Man verfing sich in Widersprüchen. Um ja nicht mit der freideutschen Jugend zugleich auch die Scharen um Wyneken anzuerkennen, d. h. um nicht neutral sein zu müssen, lehnte man im Namen der Neutralität ab, für seine eigenen Ideen einzutreten, die nun in der Schuljugend erwachen wollen. Und mit 17 gegen 5 Stimmen wurde der Antrag München-Berlin abgelehnt. (Vergleiche die Chronik.) Aber zuletzt: was fragen wir nach Majoritäten? Jugendkultur ist ein Wille und zählt keine Stimmen; seinem Ansturm erliegen alle, die nicht mitstürmen. (Die Angst erzeugt den Haß der Feinde.) Und wir haben hier Solltmann gesehen, der ein Paulus wurde. Am ersten Abend versuchte er mit ernster, eindringlicher Rede sich selbst zu überzeugen, daß der Antrag München-Berlin unannehmbar sei, zwei Tage später stimmte er für ihn. In Weimar haben wir wieder erlebt, wie die Idee der neuen Jugend mit magischer Macht alle Geister in ihren Bannkreis zieht. Daß von den Gegnern das Antrags M.-B. kaum ein wesentliches Wort gesagt wurde, während seine Freunde Reden von ungewöhnlicher Tiefe, von Begeisterung und Geist hielten, das ist uns mehr als 17 Stimmfuhrer. Nebenbei: Wie man Stimmfuhrer wird. In einer Fr.-St. Organisation kandidierten für das Amt des Vorsitzenden-Stellvertreters zwei Freistudenten. In der Empfehlungsrede des Vorsitzenden hieß es: („Wynekenianer") wird mit seiner bekannten Kraft der Initiative zwar zweifellos Ideen und Bewegung bringen, aber Y. („bewährter freistudentischer Ehrenbeamter") wird die dringenden administrativen Arbeiten sorgfaltiger und expeditiver erledigen. Y. wurde mit über- 121

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.