Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 2-3 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 85 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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sich von selbst, daß ältere Leute an die Spitze von Bund und O. G; gestellt wurden . Das ganze Buch ist leichtes, seichtes Gerede, ist jeder Tiefe, jeder Begeisterung bar, ja es übertrifft an oberlehrerhaftem Ton, an doktrinärer Ausdrucksweise weit das rühmlich — von dem Verfasser öfters zitierte — bekannte Schriftchen Fr. W* Fuldas. Von den größtenteils schlechten und lächerlichen Bildern will ich ganz absehen und mich im wesentlichem gegen den Inhalt des unlogisch aufgebauten und unklaren Büchleins wenden. Und ich muß gestehen: Nie wurde Vom W.-V. mittelmäßiger, unedler, banaler geschrieben wie in diesem Buch, nie lugte der Vereinsteufel deutlicher durch alle Lucken, nie wurden mit wichtigerer Miene nichtige Dinge gesagt. Das ganze Buch besteht aus Halbheiten, aus leeren Beteuerungen, aus plumpen Verbeugungen — wenn auch in Form zarter Verteidigung— gegen Eltern, Schule, Kirche, Staat! Ich zitiere: „Daß aber auch die ,bösen W.-V.' auf einer Fahrt mit andachsvollem Sinne Gottes Wort in der Kirche aufsuchen können, wenn sie den Menschen verehren und lieben, der es ihnen kündet, das lesen wir nicht bloß in der schönen Geschichte von ,Vikar Körner und den W.-V.' (I), das habe ich selbst erlebt." Nie wurde das Wesen der Jugend oberflächlicher, leichter gefaßt, wie in diesem Buch, nie wagte man Menschenseelen stumpfer zu messen, wie es Dr. Matter sich erlaubt. Wenn der ... Verein soundso einen Jahresbericht heraus« gibt, in dem die Worte stehen: „Sodann können diese ein oder anderthalbtägigen Fahrten manchen Programmpunkt besser zur Geltung bringen . . so kann man immerhin etwas Verzeihen übrig haben, wenn aber eine Jugendbewegung, die dazu den klingenden Namen „Wandervogel** führt, es fertig bringt, solche Worte zu dulden, dann — verzichte ich auf weitere Entrüstungsrufe. Wo blieb die stürmende, anmaßende Jugend? Sind das die Epigonen jener Edlen? . . . Es ist mir rätselhaft, wie ein W.-V., der vorgibt, ihn erlebt zu haben, zu solch seichten Worten fähig ist, wie sie Dr. Matter über „W.-V. und Familie" übrig hat. Ich zitiere folgendes (in Form eines Briefes einer Mutter): „Und das zweite: Familienleben und W.-V. Ich stelle mir vor, Sie wohnten hier am Orte, was ja ideal wäre,. und Sie sammelten an jedem schönen Sontag Ihre Knaben zur W.-V, Fahrt. Da würden wir Ihnen ab und zu mit Wonne unsere Buben anvertrauen. Aber wenn sie jedesmal gehen wollten, würden wir sagen: ,Nein, diesmal gehen wir als Familie!' Nun gibt es aber so viele Knaben, die sind fremd am Orte . . So geht es — etwas besser zwar — noch acht Seiten weiter. Dazu sagt Dr. Matter: „Ich möchte wünschen, daß alle Eltern so vernünftig tig dächten ..." Wie im ganzen Buch so auch hier: Ein leichtfertiges Klammern 85