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Der Anfang · 1914-06-01 · Heft 2-3 (Juni 1914) · p. Seite 60

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Journal
Der Anfang
Volume
2. Jahr (1914)
Issue
Heft 2-3 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 60 (sequence 24)
Language
German
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mir unerhört und dreist, die Erotik des gemeinsamen Volkstanzes zu leugnen. Für meine Auffassung hat die Reinheit der Geschlechterbeziehungen deren auf Wahrhaftigkeit ruhende Cultivierung (gleich Verfeinerung, Durchgeistigung) zur Voraussetzung, und sie wird durch jede Unehrlichkeit ins Gegenteil verkehrt. Warum betrachten diese Reformer eigentlich jede, auch die leiseste erotische Freude an einem andern Wesen als unrein? Was wollen sie denn? Sollen wir, wider die Natur, unser Empfinden morden? Oder heucheln, unempfindlich zu sein? Fast scheint mir der Gedankengang mancher Coeducatoren mit der frühen „Angewöhnung" der Geschlechter dahin zu führen. Denen scheint noch nie aufgefallen zu sein, wie weit voneinander die Jungen und Mädel gehen von dem Augenblick an, wo sie sich als Geschlecht bewußt werden, um sich, auch ihrer Gegensätzlichkeit bewußt, notwendig wiederzufinden. Es ist eine schwere Sünde am Gesetz der Polarität, aus dem alle Kraft des Lebens fließt, die jungen Menschen verständnislos zusammenzusperren, gar zu geistiger Erziehung. Ganzer Mann und ganzes Weib seien das Ziel, Steigerung jeder Eigenart. Was die Natur will, ist nie unrein; aber man kann es mit unreinen Augen ansehen! Mag man nichtsdestoweniger über die gemeinsame Erziehung nach Maß denken; in jedem Fall verschone man die jungen Wandervögel mit jener tanzfreudigen „Kameradschaftlichkeit", für die sie noch nichts übrig haben. Sie hält jener Trieb zusammen, aus dem die Begeisterung am Indianerspielen quillt; immer noch die Romantik, der Gedanke eines heldischen Lebens unter einem bedingungslos verehrten Führer. Von da aus versteht man auch die Wesensverschiedenheit der Jungen- und Mädelgruppen. Diese haben ein ganz eigenes, abgeartetes Nachleben des Wandervogelgedankens, das aber eben ein Nachleben ist und nie einen selbständigen Mädelbund schaffen könnte. Die Jungen tragen die Bewegung und finden in ihr die Möglichkeit der Erziehung zu allen männlichen Tugenden, namentlich in der Herausarbeitung des Kämpferischen in jugendlicher Freiheit, die uns die sorgsame Wahrung unseres Programms der „Programmlosigkeit" aufzwingt. Daraus fließt unser Kampf gegen alles, was diese Freiheit

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