Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 1 (Mai 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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heilige, konnte von Leuten befolgt werden, deren Bestreben es war, ihre Mitmenschen in Fesseln, in Fesseln des Geistes, zu schlagen. Wie aber die freideutsche Jugend? Steht nicht die Freiheit auf ihrem Banner? Will sie sich nkrht gerade freimachen von jenem Philistertum, das dien Götzen Geldfrage, Magenfrage, Titel, Amt, Würde, die den Olymp Daseinskampf bevölkern, Weihrauch streut? Ist es nicht, daß die freideutsche Jugend der verlogenen Kultur ihrer Zeit den Krieg erklärt, um mät innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben zu gestalten? Ist nicht dieser ganze Kampf ein Auflehnen der stolzen Wahrhaftigkeit gegen die Herrschaft der Lüge? Ich weiß nicht, wen i<^i mir unter Walther Borgius vorzustellen habe. Ich weiß auch nicht, ob er Anspruch darauf macht, zur freideutschen Jugend gezählt zu werden*). Es erscheint mir dies ausgeschlossen, wenn ich seine lebhafte Klage über den drohenden „Zusammenbruch unsrer ganzen Gesellschaftsordnung" als notwendige Folge der Aufrichtung des Banners der Wahrhaftigkeit vernehme. Ei, bester Herr Borgius, was wollen wir denn anderes? Erhebt sich denn die Jugend in zornigem Aufruhr, weil ihr diese Gesellschaftsordnung als etwas so ungemein Wertvolles erscheint? Lassen wir uns diese Erkenntnis durch Walther Borgius' Lehre einprägen: unsere heutige Alterskultur steht und fällt mit der Lüge; wir, die wir sie stürzen wollen, brauchen ihr nur diese eine Säule wegzureißen, um zu siegen: mit der glänzenden Axt der Wahrhaftigkeit muß diese Säule zertrümmert werden. Für die Urfrage, wie wir uns Schule und Eltern gegenüber zu verhalten haben, ergibt sich folgendes: In der Mehrzahl der Fälle werden wir uns hier in einen seelischen Konflikt gedrängt *) Herr Dr. Walther Borgius gehört nicht mehr im strengen Sinne zur Jugend. Wir haben seine Einsendung neben denen von anderen Freunden und Beratern jder Jugend (Natorp, Ostwald, Kerr, Müller-Meiningen) veröffentlicht. Das ist vielen Lesern unklar geblieben; in Versammlungen sind uns wiederholt die Ausführungen von Dr. Borgius als schlimme Früchte des „Anfang" vorgehalten worden. Unsere Absicht, die Jugend nicht zu bevormunden, schließt es natürlich in sich, daß wir ihr Gedankengänge, wie die von Dr. Borgius, nicht vorenthalten. Zumal sie in ihrer präzisen Formulierung vortrefflich geeignet sind, die Jugend zu tieferem Nachdenken über die Frage der «Lüge» anzuregen und sie zu zwingen, sich um einen festen Standpunkt zu bemühen. Die Redaktion. 24