Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 1 (Mai 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Septemberheft 1913 des „Anfang") von einer „Wiedereroberung der Musik für die Jugend" die Rede gewesen« Ich möchte noch weiter gehend darauf hinweisen,* daß es notwendig ist, die Musik für die gesamte „gebildete Welt" zu erobern. Die Richtigkeit dieser Behauptung setzt zweierlei voraus: einmal, daß die Musik nicht kultureller Besitz unserer ^Gebildeten" ist; dann, daß ein Interesse an einer solchen Besitzergreifung vorliegt. Beides ist zu beweisen. Ich gehe aus von der Frage: was nennt und woran «kennt man musikalischen Kulturbesitz? Die Antwort lautet: Das Kriterium ist die Stellung, welche unsere Kulturträger, die sogenannten Gebildeten oder Intellektuellen, gegenüber den anerkannten Kulturwerten der Musik annehmen; ersichtlich ist diese Stellung an der Art der allgemeinen Geschmacksrichtung, dem durchschnittlichen Maße technischen Könnens und theoretischen Wissens und der daraus resultierenden Urteilsfähigkeit Es wäre gut, wenn Geschmacks- und theoretische Bildung auch nur annähernd dem gleichkämen, was wir in der Regel an reproduktionstechnischen Leistungen bemerken können; nicht nur werden ganz beträchtliche Anforderungen in spezifisch technischer — um nicht zu sagen: bravourmäßiger — Hinsicht an unsere singenden und klavierspielenden jungen Damen gestellt, saodern sie werden auch meist erfüllt. Leider ist das nun aber auch alles, was wir von musikalischer Kultur bei unseren Gebildeten erwarten dürfen. Der allgemeine Geschmack wechselt im einzelnen, ist aber immer schlecht. Wem würde es einfallen, nachdem dem er den „Hamlet" oder Goethesche Lieder oder Kellersche Novellen gelesen hat, sich einen Band „Intime Geschichten" vorzunehmen? In der musikalischen Literatur hingegen gibt es Sammelwerke, wie die „Sang- und Klang"-Albums und die Hefte der „Musik für alle", die außerordentlich erzieherisch wirken könnten und sollten, in denen sieh „Fidelio" und „Dollarprinzessin", „Tristan" und „Puppchen" hold zusammenfinden. Aber bei alledem wird sich doch keiner finden, der, um wenigstens einen Schein von Berechtigung für dieses Treiben zu erregen, behaupten würde, das Genre der heutigen „leichten" Musik hätte einen, wenn auch nur ganz geringen, musikalischen Wert! Man ist sich vollkommen klar, daß man es hier mit einer musikalischen Schundliteratur par excellence zu tun hat die man als 13