Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 12 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 386 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Kampf in Wien Gustav Wyneken war von der Soziologischen Gesellschaft und -dem Monistenbund eingeladen worden, in Wien zwei Vorträge zu halten. Wir waren in freudigster Spannung. Plakate versprachen für den 17. März „Die Mission der Jugend im Kampfe unserer Zeit". Die „Wiener Mittagszeitung4' schreibt: „Es gibt wirklieh eine Jugendbewegung* Manche haben in Cafes, in der Elektrischen, auf der Straße vom Sprechsaal Wiener Mittelschüler und vom A. C. S. sprechen hören» — Und wenn Neugierige sich erkundigten, antwortete man: — „Lesen Sie, bitte, Dr. Wynekens Buch „Schule und Jugendkultur". „Dr. Wyneken? Ist das der von den gelben Plakaten?" — Am 16. März wurde dieser Vortrag von der Polizei verboten „wegen Gefahrdung der öffentlichen Ruhe und Ordnung". Es wurde alles* versucht, diese Verfügung rückgängig zu machen. Sie blieb aufrecht. Und am 17. abends staute sich die Menge vor dem Saal, durch das Polizeiverbot und die Berichte in allen Zeitungen aufmerksam gemacht und angezogen. Am iS. ^besuchte Wyneken den Sprechsaal und sprach mehrere Stunden mit uns. Am 19. sprach er in der Soziologischen Gesellschaft in einem überfüllten Saal der Universität über den Eintritt der Jugend in die Weltgeschichte. Indessen begann sich die Polizei für den Sprechsaal zu interessieren. Bernfeld wurde zitiert. Das Ergebnis war, daß dieses Unternehmen sich zwar noch im Rahmen des Gesetzes bewege, aber hart an der Grenze des Zulässigen stehe. Um nun eine ruhige Gestaltung einer neuen gesetzlich unanfechtbaren Organisation zu ermöglichen, wurde am 21. der SprecBsaal aufgelöst. Noch für denselben Nachmittag waren etwa 250 Kameraden von einem Freunde unserer Bewegung in seine Wohnung geladen, und so konnten wir noch einmal einige Stunden mit Wyneken sprechen. Wir haben den ernsten Entschluß gefaßt, die Zeit bis zum Herbst, die wir obdachlos verbringen müssen, zu verwenden zur intensiveren Körperbildung, zum Wandern, Schwimmen, Reiten, damit ein würdiges Geschlecht ins neue „Wiener Jugendheim4 4 — größer als der alte S W. M- — einziehen könne. Sonntag, den 22., vormittags, fand eine von über 1500 Personen besuchte Protestversammlung statt. Wyneken sprach über die Jugendbewegung; die Reichsratsabgeordneten Ofner, v. Hock, Glöckel, Pernerstorfer, der Privatdozent Ludw. v. Hartmann und Frau Beer-Angerer protestierten gegen das Polizeiverbot. In der Resolution, die einstimmig angenommen wurde, heißt es: „Wir begrüßen schließlich die Jugend, um deren Wohl und Wehe dieser Kampf geführt wird. Wir «erklären, daß wir ihr immer zur Seite stehen werden, wenn sie die hohen Güter der Selbstbestimmung, des rückhaltlosen Bekennens der Wahrheit auf allen Gebieten und der Geistesfreiheit gegen vermessene Angriffe oder listige Verlockungen zu verteidigen haben wird. Dagegen erwarten wir vertrauensvoll, daß sie dereinst die