Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 278 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Pro vulgo. Eine Verteidigung der Mädel. Im Augustheft des „Anfang" erschien der „Appell an die Mädel" von Margot und der Artikel „Seelenfeigheit". Als Antwort auf beide möchte ich in folgenden Worten meine Ansicht aussprechen, die ich bei zahlreichen Kameradinnen bestätigt gefunden habe. Wenn ich also von „mir" spreche, so gilt das für die von mir Befragten in gleichem Maße. Da wir uns zum großen Teil aus künftigen Ärztinnen und Oberlehrerinnen rekrutieren — ich selbst zähle zu letzteren —, so ist es klar, daß unser Interesse für alles im „Anfang" erörterte ein sehr großes sein, daß alles, was die jetzige und künftige Jugend betrifft, uns am Herzen liegen muß. Ich selbst, und viele mit mir, hätte gern die Gelegenheit ergriffen, im „Anfang" über Mißstände zu sprechen, aber auch die mehrfach ungerechterweise erfolgten Angriffe auf die Lehrer durch zahlreiche selbst erlebte Beispiele zu widerlegen, die nicht als Einzelfälle, sondern als typisch betrachtet werden dürfen. Dagegen gibt es aber ein Bedenken: Es ist anzunehmen, daß der „Anfang" in Lehrerkreisen bekannt und, wegen der häufigen ungehinderten Angriffe, nicht allzu beliebt ist. Werden nun bestimmte Zustände gegeißelt, bestimmte Fälle erzählt, so ist unschwer festzustellen, wenn ein Lehrer (ich meine natürlich die von der mißgünstigen Sorte!*) nur will, um welche Anstalt, und innerhalb dieser, um welche Klasse es sich handelt. Dann ist der aus dem Stil oder aus Vermutungen ermittelte Verfasser trotz aller zugesicherten Diskretion der persönlichen Rache*) des Getroffenen verfallen. Erfolgt nun eine solche Erkennung seitens eines weniger wohlwollenden*) Herrn, so kann uns das leicht die Charakterisierung als „sittlich unreif" beim Abitur eintragen, oder man wird als „undankbar" bezeichnet, nicht weiter im Unterricht beachtet*), und fällt durch, und was noch für Rachemöglichkeiten*) bestehen. Daß wir nach all dem kein Verlangen tragen, wird nicht nur Margot und die „Kameradin", sondern auch jeder andere einsehen. Denn uns studiumlustigen Mädeln, die es mit dem Studium nicht nur „lustig", sondern auch recht ernst meinen, werden einstweilen noch viel mehr Schwierigkeiten bereitet als den Jungen. Haben wir aber erst die Gedankenfreiheit, *) Aha. Die Red. 278