Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Führet* und ein Mitglied des Eltern- und Freundesrates. Der Direktor macht eine höfliche Verbeugung: „Bitte, meine Herren, kommen Sie nur herein!" Zunächst versucht man, mit dem Herrn in Güte auszukommen, er bleibt aber hartnäckig bei seiner Meinung: „Sie werden zugeben, meine Herren, daß ich keine Bestrebungen fördern kann, die gegen die Autorität der Schule gerichtet sind, die Jahrhunderte hindurch anerkannte Sittengesetze gänzlich auf den Kopf zu stellen trachten." Er müsse hier fast von einer Verführung der Jugend sprechen, wenn „sowas" im Wandervogel geduldet werde. Wie sich überhaupt unerfahrene junge Menschen einbilden dürften, mit ihrer Schwärmerei die Welt verbessern zu können, er halte das für eine Anmaßung, und jeder vernünftig denkende Mensch müsse ihm recht geben. Oder ob die Herren etwa meinten, daß die Eltern der Wandervögel solche Grundsätze billigten, er glaube es nicht. Als Eingesessener wisse er genau, wie hier die Verhältnisse liegen, und müsse alles zu unterdrücken suchen, was sich in den Kreisen der Schüler gegen die herrschenden Anschauungen auflehnen will. Wo würde man mit der Schule sonst auch hinkommen! Die Führer weisen ihn ohne Erfolg darauf hin, daß gerade im Wandervogel sittlich starke, gesunde Menschen herangebildet werden, während sie aus eigener Erfahrung sagen könnten, daß der Durchschnitt der Schüler unserer heutigen höheren Lehranstalten sittlich minderwertig sei, der Herr Direktor solle nur einmal an die Verbreitung der Selbstbefleckung denken. Natürlich kommt jetzt das berühmte „Ja — aber". Der Direktor ist auch einer von den vielen Ja-aber-Menschen, die nur sehr selten ein aufrichtiges „Ja-also" kennen. „Ich stehe Ihrer Bewegung ja sehr sympathisch gegenüber (!), aber Sie geben ja selbst zu, daß Sie freiere Anschauungen haben, da muß ich die Schüler Ihrem Einfluß entziehen, da diese noch nicht klar zu denken vermögen und sich allzu leicht verderben lassen." (!) Es sei überhaupt unglaublich, was man sich jetzt alles leiste. Er wisse genau, daß junge Phantasten sich vielfach mit philosophisch-erotischen Dingen beschäftigen und ihre 271