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Der Anfang · 1914-01-01 · Heft 9 (Januar 1914) · p. Seite 265

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 9 (Januar 1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 265 (sequence 9)
Language
German
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mir zu lapp, die konnten ja nicht springen, laufen, Burgen bauen, und sich mal vernünftig unterhalten. — Ich arbeite Französisch (nicht freiwillig, 's war Grammatik!). Frage die Tante etwas. „So geh doch zu Leo und frag* den! Den ganzen Tag mit den Jungens rumlaufen, daß die Leute drüber reden, das kannst du, andres nicht!" Warum wohl die Leute drüber redeten, daß ich mit den Jungens rumlief? Die Frage beschäftigte mich lange, ohne daß ich eine Antwort fand. — 17 Jahre. Habe einen Kameraden gefunden. Hat seine Flamme nebenbei, kommt auch mit seinem Liebeskummer oft zu mir. Wir haben viele gemeinsame Interessen. Es ist eine schöne Zeit. Gemeinsame Arbeit, gemeinsames Froh- und Starksein. Da tref ich wieder einmal aus meiner mit der Zeit immer mehr ausgebildeten Sprödigkeit heraus, bewege mich frei (für einige alte Weibchen zu frei), wie ich bin. Doch die Katastrophe kommt bald. Nicht das Erotische ist die Katastrophe. Herrgott, wir (denn ich rede ja im Namen vieler) sind ja doch gesunde Menschen, wir fühlen und empfinden ja doch wie die andern! Nein, aber daß dann die Kameradschaft fort ist, daß man fühlt, das Ernste, die Arbeit ist nun nur noch eine Überzuckerung, das Eigentliche ist der Wunsch, „die Psyche des Weibes auszuschöpfen". Folge für uns: Einsamsein, — Sprödigkeit, wie dazu die alten Tanten in komischster Verzweiflung sagen. Und die, die glauben, uns wirklich zu lieben? Gott, ja — sie haben uns sehr gern, und außerdem — wollen sie uns lieben. Gemeinsame Arbeit? Ist man sentimental, heißt's: „Wenn du da bist, isfs wie ein Fest; da ruht die Arbeit." Hat man sich wenigstens so lieb, um ehrlich zu sein, heißfs: „Stören tust du mich nicht. Du bist eine Stunde Ausspannung, da man Kraft schöpft zu neuer Arbeit." Und wenn einem dazu der Mut fehlt, ist man da feige?! Feigheit vor den andern isfs sicher nicht. Sonst hätf man wohl schon so manches Mal anders gehandelt. Aber man hat nicht den Mut, sich vor sich selbst zu erniedrigen, sich nur halb zu geben. Und so kommt's, daß wir so oft einsam bleiben mit unsrer großen, großen Sehnsucht, und unsre Seele hungert und schreit laut auf, während die andern große Töne reden: „Wir wollen Kameradinnen!" und uns gar nicht wollen, nicht suchen! 265

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