Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Oberhaupt: wie können Jungens es wagen, von uns Kameradschaft zu fordern, wenn sie in ihrer egoistischen Passivität und Bequemlichkeit nicht mal auf die Idee kommen, Professoren zu boykottieren, die die Kameradinnen von ihren Collegs ausschließen? (Dies soll nur ein Beispiel sein. Aber es wäre eine Tat, würdig der 20o/o der „einzig Aktiven, einzig Regsamen". Das wäre positive Arbeit.) — Mono erwartet von der weiblichen Jugend Menschlichkeit. — Menschlichkeit? — Die Ehefrau rangiert nach dem heutigen Gesetz neben dem besoldeten Hausgesinde, das ebenso wie sie ungestraft vom „Herrn" geprügelt werden kann, soweit nicht Körperverletzung im strafrechtlichen Sinn vorliegt. (Das Hausgesinde hat allerdings gegenüber der Ehegattin den Vorteil der Freizügigkeit: die monatliche Kündigung.) Menschlichkeit!-- Weiter: „Wenn schon geheime Schülerverbindungen nach ihren akademischen Mustern, den Korps und Burschenschaften, die geschlechtliche Betätigung der Mitglieder in ihr Programm aufgenommen haben . . ." Wer will sich wundern oder beschweren, daß künftige Töchter solcher Schüler und Studenten einen moralischen „Defekt mit sich herumschleppen"? Die beste Mädchenerziehung wird nicht viel daran ändern können, wenn die Ursache (also die „Moral" des männlichen Teiles) bestehen bleibt.-- Aber was das Schlimmste ist: Mono gehört wirklich zu den 20o/o der „einzig Aktiven, einzig Regsamen", zu denjenigen, die „darauf verzichten, die geistige Welt als ihr ureigenstes Bereich zu betrachten". Um so schmerzlicher offenbart sich in seinen Ausführungen der naive Dünkel der männlichen Seele: Monos Arbeit in ihrer Einseitigkeit stellt ein Dokument von Aufgeblasenheit und Selbstgefälligkeit vor, das zum Himmel schreit. Defekte, mindestens ebenso sehr allem Fortschritt hinderlich wie Frivolität und Leichtfertigkeit. — Gibt es auch schon Kameraden, die das verstehen?-- Fünfhundert Jahre vollständiger politischer, juristischer und sozialer Oleichberechtigung — das ist die unerläßliche Vorbedingung für jedes Debattieren über geistige oder sittliche Verschiedenheit der Geschlechter. 262