Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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dringen. Doch auch das geht. Da es für manche vielleicht von Wert sein kann, will ich erzählen, wie man's macht. Fast überall findet sich der eine oder andere Vater oder Mutter, bei dem man Verständnis, und wenn auch nicht volles Verständnis, so doch Anerkennung des Willens und der Fähigkeiten zu seiner Ausführung findet. Und von diesem einen Vater, oder was er ist, läßt man sich die Jungens und Mädchen einladen. Um diese ersten „offiziellen" Zusammenkünfte kommt man kaum herum; alles andere findet sich dann von selber. Aber zuerst müssen mal genug Jungens und Mädchen da sein, die es wollen und können. Von solchen Zusammenkünften aus gestaltet sich dann das ganze äußere und innere Leben der Beteiligten im Sinne unserer Jugendziele. Von ihnen aus lernen wir alles mit den andern gemeinsam haben. Und was die Erotik angeht, so wollen wir sie keineswegs etwa aus unserer Geselligkeit verbannen; es ginge ja auch gar nicht, es sei denn, daß wir, wie uns einmal ein Vertreter der alten Generation zum Vorwurf machte, darauf ausgingen, ein drittes, für das andere unempfindliches Geschlecht heranzuzüchten. Es ist ziemlich klar, daß sich bald im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungen und damit auch für die andere Zeit einzelne Jungen und Mädchen enger zusammenschließen, ihre letzten Ideen, Gedanken und Gefühle, Leiden und Freuden miteinander teilen. Denn daß wir nicht eine Art Erotik haben wollen, die sich auf dunklen Promenadenbänken herumdrückt, ist doch wohl selbstverständlich. Und die in unseren Gemeinschaften sich ergebende Erotik, ist sie nicht eine wunderbare Vorbereitung für eine spätere tiefere Auffassung der Ehe (im Gegensatz zu der von Mono geschilderten)? Daß wir lernen, das Mädchen und damit das Weib zu begreifen, daß wir, uns gegenseitig bis in den letzten Winkel kennend (ohne volle Aufrichtigkeit ist natürlich nichts zu machen), miteinander arbeiten, uns gegenseitig aufrichten und stützen. Gegen eins möcht ich mich noch wehren. Ist der Packen „ordinärster Frivolität", von dem Mono spricht, wirklich so notwendig, gerade in diesen Fragen? Ich sage im Gegenteil: Ernst, Ernst und nochmal Ernst und— Heiterkeit. 260