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Der Anfang · 1914-01-01 · Heft 9 (Januar 1914) · p. Seite 259

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 9 (Januar 1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 259 (sequence 3)
Language
German
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deutiges Gebilde; noch nirgends habe ich das Wort „quot capita tot sensus" so wörtlich bestätigt gefunden wie im Wandervogel. Darum ist es eine Sünde, zu sagen: „einstmals kamen ,die Wandervögel' für die und die Sache in Betracht", „an dieser Klippe scheiterte ,der Wandervogel'", „,der Wandervogel' bildet die Partei der Lebensreformer". Gerade das letztere, du lieber Himmel! Um's noch einmal zu sagen: ich bin fest überzeugt, daß der Wandervogel augenblicklich — noch oder wieder? — die größte Zahl der Kämpfer für unsere Jugendziele stellt, und zwar keine „Lebensreformer" (Huh!). Denn der Wandervogel ist — das ist für mich mit der Zeit die brauchbarste Definition geworden — seiner Tatsache nach (in den auf seine Gestaltung bestimmend einwirkenden Faktoren) die intellektuelle Jugend; intellektuell im Sinn von geistig interessiert und in der ganzen Lebenshaltung geistig orientiert, ohne Beeinflussung durch kapitalistische oder ständische Rücksichten. — Natürlich, natürlich, es gibt auch intellektuelle Jugend außerhalb des Wandervogels, sehr viel sogar (gottlob und leider), und es gibt im Wandervogel eine große leblose Masse, die geschoben und getragen wird. So, das war in aller Kürze ein Wort vom Wandervogel. Aber zurück zum Anfang. Ich sagte, daß der Wandervogel so viel schon auf dem Gebiet des Verkehrs, des Zusammenlebens und -arbeitens von Jimgen und Mädchen getan hat. Weiß denn keiner was von unsern gemeinsamen Ortsgruppen, gemeinsamen Fahrten? Ja, es ist schwer, da Näheres zu sagen; weil man es eben selbst erlebt hat, weil es einem in Fleisch und Blut übergegangen ist. Uns ist es selbstverständlich, daß wir auf Leseabenden zusammen sind, daß wir an Sonntagen und in den Ferien zusammen auf Fahrt gehen, daß wir jeden Tag der Fahrt alles miteinander teilen, da wir ja ganz aufeinander angewiesen sind; daß wir des Nachts in einer Scheune schlafen und am Tage alles das besprechen, was uns auf der Seele liegt. Aber wir habend auch nicht leicht, uns mit der alten Generation darüber auseinanderzusetzen; und von unsern lieben „Zeitgenossen" unter der Jugend können wir manches spöttische, widerliche und gehässige Wort hören. Das letztere gleitet an uns ab. Schon schwieriger ist es, gegenüber den „Alten" durchzu- 259

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