Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 7 (November 1913)
- Date
- 1913-11-01
- Page
- Seite 202 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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stand ist, kurz gesagt, eine üble, verwilderte Poussier-Erotik, die mit ihrer schmierigen Widerwärtigkeit unser ganzes Gesellschaftssystem beherrscht. Schöner Name dafür: Flirt. Wer kennt sie nicht: die begehrte Tänzerin. Wertmaßstab: ob sie „vornherein" was hat. Die glorreichen Attribute dieser Geselligkeit: Dekollete und Cutaway, (gehören zusammen, wer's noch nicht gemerkt haben sollte), Promenade, Parfüm, Familienbad, Florstrümpfe, Schieber, Ball, transparenter Humpelrock, das „diskrete" Lächeln, Korsett, rue, die „Weltdame", Nachtfeste, Reunions, Tanzausflüge, Megabusol, wenn's nicht hilft Watte, Tennis und andere Poussiersports, die verprostituierte Operette (Beispiel: Eva) usw. usw., und als Neuestes vom Neuen das Tanztournier. Das Endresultat: Schweinerei im offiziellen Mantel des gesellschaftsmäßig gewandten Auftretens. Wo steckt die Ursache? Wo steckt die Ursache? Keine Gefühlsduseleien! Auf weiblicher Seite! Aber: überall gibt's eine Anzahl Führer und eine Masse Geführter. Auf den vorliegenden f all übertragen: 80 Prozent Gänschen, unbedeutende, harmlose Wesen, lassen sich von den übrigen 20 Prozent dirigieren. Und nun kommt das Traurige: diese 20 Prozent, das sind die Intelligenten, die sind's. Also diese 20 Prozent, die beanlagt sind, die berufensten, weil tonangebenden Vertreterinnen ihres Geschlechtes zu sein, die haben einen Knacks! Und warum das? Woher? Ganz einfach: Bankrott von Mädchenschule und Mädchenerziehung. Denn das ist der Bankrott, wenn die Erziehung so versagt, daß sich unter den Befähigtsten eine Tradition ausbilden kann, deren durchaus dirnenmäßiger Charakter die Mädchen mit unentrinnbarer Suggestion an dem Wahne festhält, sie müßten, um „interessant" und „fesselnd" zu sein, durchaus eine grenzenlose Frivolität kultivieren und zur Schau tragen. Wie konnte d a s k o in in e u? Was fehlt, ist einfach: die kritische Urteilsfähigkeit, die Urteilsfähigkeit, die dem Mädchen all das Widerwärtige, wozu es sich hergibt, zu Bewußtsein bringen würde. Die engen Schranken, die früher dem weiblichen Geschlecht aufgerichtet waren, sind längst gefallen. Persönlichkeit, die auf 202